Der Entschluß

Christian Felix Weiße

1758

Ja ja, der Trauben Gott allein Will ich die besten Stunden weihn: Ich fühlte gnug der Liebe Plagen, Kommt Brüder, helft mir sie verjagen.

So sang ich; Brüder sangen drein: »Was ist die Liebe gegen Wein? Ein Auge gegen eine Rebe. Es sterbe Venus! Bacchus lebe!«

So recht! fieng jeder an zu schreyn! Trotzt alle - - Chloe trat herein. Ich schwieg: mir bebten alle Glieder, Und schamvoll beugten sich die Brüder.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Entschluss" von Christian Felix Weiße beschreibt den inneren Kampf eines Menschen zwischen der Liebe und dem Genuss von Wein. Der Erzähler entschließt sich, die besten Stunden dem Weingott Bacchus zu widmen, da er genug unter den Qualen der Liebe gelitten hat. Er ruft seine Brüder dazu auf, ihm bei der Vertreibung der Liebe zu helfen. Die Brüder stimmen in das Lied des Erzählers ein und preisen den Wein als überlegen gegenüber der Liebe. Sie stellen ein Auge gegen eine Rebe und wünschen den Tod der Venus, der Göttin der Liebe, während sie Bacchus, den Weingott, leben lassen. Die Brüder sind begeistert von dieser Idee und beginnen laut zu schreien. Doch plötzlich tritt Chloe, vermutlich die Angebetete des Erzählers, in den Raum. Der Erzähler verstummt, seine Glieder zittern, und die Brüder beugen sich schamvoll. Dieser überraschende Auftritt von Chloe lässt den Erzähler und seine Brüder erkennen, dass ihre Entscheidung gegen die Liebe voreilig und unüberlegt war. Die Anwesenheit der Geliebten macht ihnen bewusst, dass die Liebe stärker ist als der Genuss von Wein.

Schlüsselwörter

brüder liebe alle trauben gott allein will besten

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Stilmittel

Alliteration
schwieg: mir bebten alle Glieder
Anapher
So sang ich; Brüder sangen drein
Hyperbel
Es sterbe Venus! Bacchus lebe!
Ironie
So recht! fieng jeder an zu schreyn!
Metapher
der Liebe Plagen
Personifikation
Ja ja, der Trauben Gott allein