Der Einsiedler
1788Komm, Trost der Welt, du stille Nacht! Wie steigst du von den Bergen sacht, Die Lüfte alle schlafen, Ein Schiffer nur noch, wandermüd′, Singt übers Meer sein Abendlied Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn Und lassen mich hier einsam stehn, Die Welt hat mich vergessen, Da tratst du wunderbar zu mir, Wenn ich beim Waldesrauschen hier Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht! Der Tag hat mich so müd gemacht, Das weite Meer schon dunkelt, Laß ausruhn mich von Lust und Not, Bis daß das ew′ge Morgenrot Den stillen Wald durchfunkelt.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Einsiedler" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Sehnsucht eines einsamen Menschen nach Ruhe und Trost. Der Sprecher lädt die Nacht als "Trost der Welt" ein, sich über die Berge zu senken und die müden Lüfte zum Schlafen zu bringen. Ein erschöpfter Schiffer singt auf dem Meer sein Abendlied zu Gottes Lob. Die Jahre vergehen wie Wolken, und die Welt hat den Sprecher vergessen, der einsam dasteht. Doch dann tritt die Nacht wunderbar zu ihm, wenn er im Wald sitzt und gedankenvoll den Rauschen lauscht. Die Nacht wird als Zuflucht vor der Müdigkeit des Tages und dem Dunkelwerden des Meeres beschrieben. Der Sprecher bittet die Nacht, ihn von Lust und Not ausruhen zu lassen, bis das ewige Morgenrot den stillen Wald durchfunkelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gedankenvoll gesessen
- Anapher
- Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
- Enjambement
- Ein Schiffer nur noch, wandermüd′, / Singt übers Meer sein Abendlied
- Hyperbel
- Die Welt hat mich vergessen
- Personifikation
- Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!