Der echte Dichter
1890(Wie man sich früher ihn dachte)
Ein Dichter, ein echter, der Lyrik betreibt, Mit einer Köchin ist er beweibt, Seine Kinder sind schmuddlig und unerzogen, Kommt der Mietszettelmann, so wird tüchtig gelogen, Gelogen, gemogelt wird überhaupt viel, »Fabulieren« ist ja Zweck und Ziel.
Und ist er gekämmt und gewaschen zuzeiten, So schafft das nur Verlegenheiten, Und ist er gar ohne Wechsel und Schulden Und empfängt er pro Zeile ′nen halben Gulden Oder pendeln ihm Orden am Frack hin und her, So ist er gar kein Dichter mehr, Eines echten Dichters eigenste Welt Ist der Himmel und - ein Zigeunerzelt.
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Interpretation
Das Gedicht "Der echte Dichter" von Theodor Fontane beschreibt das Bild des Dichters in der Gesellschaft. Der Dichter wird als jemand dargestellt, der mit einer Köchin zusammenlebt und Kinder hat, die nicht besonders gut erzogen sind. Es wird auch erwähnt, dass der Dichter oft lügt und betrügt, um seine Miete zu bezahlen und seine Schulden zu verbergen. Das Gedicht deutet an, dass diese Verhaltensweisen als Teil der Identität eines echten Dichters angesehen werden. Der zweite Teil des Gedichts betont die Bedeutung von Authentizität und Unabhängigkeit für einen echten Dichter. Es wird gesagt, dass der Dichter nicht gepflegt und ordentlich sein sollte, da dies nur Verlegenheiten verursachen würde. Der Dichter sollte auch nicht finanziell stabil sein oder Auszeichnungen erhalten, da dies bedeuten würde, dass er kein echter Dichter mehr ist. Das Gedicht schließt mit der Aussage, dass die Welt eines echten Dichters der Himmel und ein Zigeunerzelt sind. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Vorstellung, dass ein echter Dichter ein Außenseiter ist, der sich nicht an gesellschaftliche Normen hält und seine künstlerische Freiheit über alles stellt. Es wird betont, dass die wahre Welt des Dichters in der Kreativität und der Unabhängigkeit liegt, anstatt in materiellem Erfolg oder gesellschaftlicher Anerkennung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ein Dichter, ein echter, der Lyrik betreibt,
- Hyperbel
- Kommt der Mietszettelmann, so wird tüchtig gelogen,
- Ironie
- Und ist er gar ohne Wechsel und Schulden / Und empfängt er pro Zeile 'nen halben Gulden / Oder pendeln ihm Orden am Frack hin und her, / So ist er gar kein Dichter mehr,
- Metapher
- Eines echten Dichters eigenste Welt / Ist der Himmel und - ein Zigeunerzelt.
- Personifikation
- »Fabulieren« ist ja Zweck und Ziel.