Der dunkle Falter

Stefan Zweig

1933

Noch glüht, umwölkt von kühlen Abendrosen,  Vor mir die Heimat. Doch mein Herz erbebt  Vom Sehnsuchtslied der ewig Heimatlosen  Und fühlt den Schmerz, den es doch nie erlebt. Wie eine milde, traurig–süße Mahnung  Umfängt mich dieses fremde Bruderleid.  Früh flügelt schon der dunkle Falter Ahnung  Über die Gärten meiner Jugendzeit. So deutungsvoll ward mir das Stundenschlagen,  So müd mein Herz. Und selbst den tiefen Glanz  Der Frauenblicke weiß ich nur zu tragen,  Wie bange Hände einen welken Kranz …

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der dunkle Falter

Interpretation

Das Gedicht "Der dunkle Falter" von Stefan Zweig thematisiert die Sehnsucht nach Heimat und die Melancholie des Wanderers. Der Sprecher steht vor seiner Heimat, doch sein Herz bebt vor dem Sehnsuchtslied der ewig Heimatlosen. Er fühlt einen Schmerz, den er nie erlebt hat, aber der ihn dennoch tief berührt. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Melancholie und Nostalgie. Die zweite Strophe führt den "dunklen Falter" ein, der als Symbol für die Ahnung von Vergänglichkeit und dem Ende der Jugend steht. Der Falter umflattert die Gärten der Jugendzeit des Sprechers und mahnt ihn an die Vergänglichkeit des Lebens. Die Stimmung wird noch düsterer und die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat wird stärker. In der letzten Strophe wird die Deutung des Gedichts klarer. Die Stundenschläge werden als bedeutungsvoll empfunden und das Herz des Sprechers wird müde. Der Glanz der Frauenblicke, der einst vielleicht Trost spendete, wird nun nur noch wie ein welker Kranz getragen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und der Erkenntnis, dass die Zeit unaufhaltsam vergeht und die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit unerfüllt bleibt.

Schlüsselwörter

herz glüht umwölkt kühlen abendrosen heimat erbebt sehnsuchtslied

Wortwolke

Wortwolke zu Der dunkle Falter

Stilmittel

Metapher
Bange Hände einen welken Kranz
Personifikation
Stundenschlagen