Der Dokter

Michel Buck

1882

Jetz sitz i dreizeah’ Maunat hia, Hau’ gmoi’t, i spinn gauh’ Seida - Do hau’ koi’ Kägereschtaug noh nia Koim Bour i däarfa bschneida,

Koim gotziga a’n Oder schla Und in en Oisa picka, Au koim a Boi’le neamma’n a, A Schmarra zema flicka.

Rezettla hau’n i Stucka neu' A’fanga zwor verschrieba, Doch traget mer au dia nix ei’, Denn äll sinds schuldig blieba.

Füar was hau’n i denn jetz gstudiart Uff älli Waih und Leida, An armi Teufel d Kau’scht probiart Im Säaga’n und im Schneida?

Füar was Mixtura, Guttra, Tee Wia s Wassar leana schreiba? So ka’s a’n armer Musié, Wia’n i, it lang maih treiba.

Wenn oiner au sei’ Hand verbrennt, A Meassar hot im Rucka, Lauft ear voarbei zum Pfuscher gschwind Und i - hau’ s Nochigucka.

Jahr Leut, verstauh’t, jetz hau’n i gnua, So laß me nimma pudla, Bei ui schla-n-i mei’ Trucha zua - Jetz kommet mer äll ge Nudla!

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Illustration zu Der Dokter

Interpretation

Das Gedicht "Der Dokter" von Michel Buck handelt von einem frustrierten Arzt, der seine Unzufriedenheit mit seiner Profession zum Ausdruck bringt. Der Arzt sitzt da und spürt, dass er langsam den Verstand verliert, da er sich mit den täglichen Herausforderungen seiner Arbeit konfrontiert sieht. Er beklagt sich darüber, dass er nie eine Karies gesehen hat und sich nicht traut, eine Behandlung durchzuführen, was seine Unsicherheit und Unerfahrenheit widerspiegelt. Der Arzt beschreibt seine Schwierigkeiten, Rezepte zu schreiben, die oft unleserlich sind und von den Patienten ignoriert werden. Er fragt sich, wofür er jahrelang studiert hat, wenn er am Ende nur als "arme Sau" behandelt wird und seine Bemühungen nicht wertgeschätzt werden. Er vergleicht sich mit einem Musiker, der seine Kunst ausübt, aber nicht die Anerkennung erhält, die er verdient. Der Arzt beklagt sich auch darüber, dass die Menschen zu ihm kommen, wenn sie in Not sind, aber dann zu einem "Pfuscher" gehen, wenn es ihnen besser geht. Er fühlt sich ausgenutzt und unappreciated. Am Ende des Gedichts beschließt der Arzt, seine Tür zu schließen und sich von den Menschen fernzuhalten, die ihn ausnutzen. Er möchte nicht mehr als "Nudler" behandelt werden und sucht nach einem Ausweg aus seiner frustrierenden Situation.

Schlüsselwörter

hau jetz koim schla mer äll füar wia

Wortwolke

Wortwolke zu Der Dokter

Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung von Anfangskonsonanten, z.B. 'Kägereschtaug noh nia' und 'Füar was Mixtura, Guttra, Tee'.
Bildsprache
Die Verwendung von lebhaften Bildern, um dem Leser ein visuelles Erlebnis zu bieten, z.B. 'An armi Teufel d Kau'scht probiart Im Säaga'n und im Schneida?'
Ironie
Die Ironie in der Aussage 'Bei ui schla-n-i mei' Trucha zua - Jetzt kommet mer äll ge Nudla!', wo der Doktor seine Frustration über die Patienten ausdrückt, die ihn trotz seiner Unzufriedenheit aufsuchen.
Metapher
Die Verwendung von 'Nudla' als Metapher für die Patienten, die der Doktor nicht mehr behandeln möchte.
Personifikation
Die Verleihung menschlicher Eigenschaften an unbelebte Dinge, z.B. 'Wia s Wassar leana schreiba', wo das Wasser als etwas beschrieben wird, das man schreiben kann.
Reimschema
Das Gedicht folgt einem regelmäßigen Reimschema, bei dem die Endungen der Zeilen konsequent übereinstimmen, z.B. 'bia - Seida - nia - bschneida' und 'schla - picka - a - flicka'.
Rhetorische Frage
Die Verwendung von Fragen, um einen Punkt zu betonen, z.B. 'Füar was hau'n i denn jetz gstudiart Uff älli Waih und Leida?'