Der dicke Sack

Wilhelm Busch

1943

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte, Der ihn zur Mühle tragen wollte, Um auszuruhn mal hingestellt Dicht an ein reifes Ährenfeld, - Legt sich in würdevolle Falten Und fängt ′ne Rede an zu halten. Ich, sprach er, bin der volle Sack. Ihr Ähren seid nur dünnes Pack. Ich bin′s, der Euch auf dieser Welt In Einigkeit zusammenhält. Ich bin′s, der hoch vonnöten ist, Daß Euch das Federvieh nicht frißt, Ich, dessen hohe Fassungskraft Euch schließlich in die Mühle schafft. Verneigt Euch tief, denn ich bin Der! Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?

Sanft rauschen die Ähren: Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.

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Illustration zu Der dicke Sack

Interpretation

Das Gedicht "Der dicke Sack" von Wilhelm Busch handelt von einem Sack voller Getreide, der sich in seiner Wichtigkeit und Bedeutung überschätzt. Der Sack, der von Bauer Bolte zur Mühle gebracht werden soll, legt sich neben ein reifes Ährenfeld und beginnt eine selbstbewusste Rede. Er behauptet, dass er der Einzige sei, der die Ähren zusammenhalte und sie vor dem Federvieh schütze. Er betont seine hohe Fassungskraft und seine Bedeutung für den Prozess, die Ähren zur Mühle zu bringen. Der Sack fordert die Ähren auf, sich vor ihm zu verneigen und stellt die Frage, was sie ohne ihn wären. Die Ähren antworten jedoch sanft mit den Worten: "Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären." Diese Antwort verdeutlicht die Abhängigkeit des Sacks von den Ähren. Ohne den Inhalt der Ähren wäre der Sack leer und bedeutungslos. Die Ähren nehmen dem Sack seine Selbstüberschätzung und zeigen ihm, dass er ohne sie nichts wert ist. Das Gedicht von Wilhelm Busch verdeutlicht die menschliche Neigung zur Selbstüberschätzung und Arroganz. Der Sack repräsentiert eine Person, die ihre eigene Bedeutung überbewertet und die Beiträge anderer unterschätzt. Die Ähren symbolisieren diejenigen, die von der selbstüberschätzenden Person abhängig sind und ohne die sie nichts wert wären. Das Gedicht erinnert daran, dass wir alle voneinander abhängig sind und dass es wichtig ist, die Beiträge anderer anzuerkennen und zu schätzen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Ich bin's, der Euch auf dieser Welt In Einigkeit zusammenhält
Ironie
Ich bin's, der hoch vonnöten ist, Daß Euch das Federvieh nicht frißt
Kontrast
Sanft rauschen die Ähren: Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären
Metapher
Ich, sprach er, bin der volle Sack. Ihr Ähren seid nur dünnes Pack
Personifikation
Ein dicker Sack ... Legt sich in würdevolle Falten und fängt 'ne Rede an zu halten
Rhetorische Frage
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?