Der Daxelhofen
1882Den Hauptmann Daxelhofen Bestaunten in der Stadt Paris Die Kinder und die Zofen Um seines blonden Bartes Vliess - Prinz Condé zog zu Felde, Der Hauptmann Daxelhofen auch, Da fuhr am Bord der Schelde Der Blitz und quoll der Pulverrauch.
Die Lilienbanner hoben Sich sachte weg aus Niederland Und schoben sich und schoben Tout doucement zum Rheinesstrand. “Herr Prinz, welch köstlich Düften! So duftet nur am Rhein der Wein! Und dort der Turm in Lüften, Herr Prinz, das ist doch Mainz am Rhein?
In meinem Pakt geschrieben Steht: Ewig nimmer gegens Reich! So stehts und ist geblieben Und bleibt sich unverbrüchlich gleich! Ich bin von Schwabenstamme, Bin auch ein Eidgenosse gut, Und dass mich Gott verdamme, Vergiess ich Deutscher deutsches Blut!
In Mainz als Feind zu rücken Reisst mich kein Höllenteufel fort, Betret ich dort die Brücken, So sei mir Hand und Schlund verdorrt! Nicht dürft ich mich bezechen Mit frommen Christenleuten mehr! Mein Waffen lieber brechen Als brechen Eid und Mannesehr!
“Lala”, kirrt Condé, “ferner Dient Ihr um Doppel-Tripellohn.” Da bricht vorm Knie der Berner In Stücke krachend sein Sponton, Dem Prinzen wirft zu Füssen Die beiden Trümmer er und spricht: “Den König lass ich grüssen, Das Deutsche Reich befehd ich nicht!”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Daxelhofen" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von einem schweizerischen Hauptmann namens Daxelhofen, der sich während des Dreißigjährigen Krieges weigert, gegen das Deutsche Reich zu kämpfen. Die Handlung spielt in Paris, wo Daxelhofen zunächst von Kindern und Zofen wegen seines blonden Bartes bewundert wird. Doch als Prinz Condé zum Feldzug aufbricht, begleitet Daxelhofen ihn, was zu einer Konfrontation mit seiner eigenen Identität und Loyalität führt. In Mainz angekommen, erinnert sich Daxelhofen an seinen Eid, der es ihm verbietet, gegen das Deutsche Reich zu kämpfen. Er betont seine schwäbische Herkunft und seine Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft, sowie seine tiefe Verbundenheit mit dem deutschen Volk. Daxelhofen erklärt, dass er lieber seine Waffen brechen würde, als seinen Eid zu brechen und deutsches Blut zu vergießen. Er betont auch, dass er nicht in der Lage wäre, mit frommen Christen zu kommunizieren, wenn er seinen Eid brechen würde. Als Prinz Condé Daxelhofen ein doppeltes Tripellohn anbietet, um weiterhin für ihn zu kämpfen, bricht Daxelhofen seinen Sponton vor den Füßen des Prinzen und erklärt, dass er den König grüßen, aber das Deutsche Reich nicht befehden wird. Das Gedicht verdeutlicht die Bedeutung von Ehre, Treue und Identität und zeigt, wie Daxelhofen bereit ist, seine eigene Sicherheit und seinen Wohlstand aufzugeben, um seinen Überzeugungen treu zu bleiben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bestaunten in der Stadt Paris
- Bildsprache
- In Stücke krachend sein Sponton
- Direkte Rede
- Den König lass ich grüssen, / Das Deutsche Reich befehd ich nicht!
- Enjambement
- Prinz Condé zog zu Felde, / Der Hauptmann Daxelhofen auch
- Hyperbel
- Nicht dürft ich mich bezechen / Mit frommen Christenleuten mehr
- Kontrast
- Der Hauptmann Daxelhofen, ein Deutscher, weigert sich, gegen das Deutsche Reich zu kämpfen
- Metapher
- Der Waffen brechen / Als brechen Eid und Mannesehr
- Personifikation
- Der Blitz fuhr am Bord der Schelde
- Symbolik
- Die Lilienbanner symbolisieren die französische Herrschaft
- Wiederholung
- So stehts und ist geblieben / Und bleibt sich unverbrüchlich gleich