Der Condor und die Staaren
1898Mit Recht verhalten sich die Herren kleiner Staaten, So wie die großen Potentaten; Doch sind die Klügsten jederzeit Mit Recht auch eingedenk, in Worten und in Thaten, Der unvollkommnen Aehnlichkeit.
Es rüstete, vor vielen Jahren, Der große Condor sich zum Krieg, Und er versammelte der edlen Vögel Schaaren, Die fürchterlich, gewohnt zum Sieg, Und dieses Haubtes würdig waren. Zugleich erschien ein Schwarm von Staaren, Und rief, einmüthig im Geschrei: Wir stimmen diesem Kriege bei, Um, wie der Condor, zu verfahren.
So waffnete sich auch Germanien zu Siegen, Und, um das Haus Bourbon beglückter zu bekriegen, Geht Bund und Reichstag an: der Feldzug wird beliebt. Als jeder Stand nun seine Stimme gibt, Verheißen Oesterreichs Gesandte Ein Heer von dreißigtausend Mann. Ein bischöflicher hört es an: Und, als der Aufruf nun auch ihn zum Stimmen nannte, Hatt′ er es sich gemerkt; denn er votirt sogleich: wie Oesterreich.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Condor und die Staaren" von Friedrich von Hagedorn ist eine satirische Betrachtung der politischen Verhältnisse und des Verhaltens der deutschen Fürsten im 18. Jahrhundert. Es verwendet die Metapher des Kondors, eines mächtigen Raubvogels, und der Stare, kleiner Vögel, um die Beziehungen zwischen den großen und kleinen deutschen Staaten zu illustrieren. Das Gedicht beginnt mit der Feststellung, dass die kleinen Staaten sich wie die großen Potentaten verhalten, aber die Klügsten sind sich bewusst, dass es eine unvollkommene Ähnlichkeit zwischen ihnen gibt. Dies deutet auf die Ungleichheit und die unterschiedlichen Machtverhältnisse hin, die trotz ähnlichem Verhalten bestehen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Allegorie fortgesetzt. Der große Condor, der für eine mächtige Nation oder einen mächtigen Herrscher steht, bereitet sich auf den Krieg vor und versammelt eine Schar edler Vögel, die an den Siegen gewöhnt sind und würdig sind, seinen Helm zu tragen. Ein Schwarm von Staren schließt sich dem Kondor an und verspricht, sich wie er zu verhalten. Dies symbolisiert die kleineren deutschen Staaten, die sich mächtigen Bündnispartnern anschließen, um ihre eigenen Interessen zu wahren. Der letzte Teil des Gedichts bezieht sich auf die deutschen Fürsten, die sich für den Krieg rüsten und ihre Stimmen abgeben. Österreich verspricht ein Heer von dreißigtausend Mann, und ein bischöflicher Gesandter merkt sich dies und stimmt wie Österreich ab. Dies verdeutlicht die politische Abhängigkeit und die mangelnde Eigenständigkeit der kleineren Staaten, die sich den Entscheidungen der mächtigeren Staaten anschließen, ohne eigene Interessen zu vertreten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der große Condor
- Anspielung
- Germanien zu Siegen
- Hyperbel
- Und er versammelte der edlen Vögel Schaaren
- Ironie
- Um, wie der Condor, zu verfahren
- Metapher
- Mit Recht verhalten sich die Herren kleiner Staaten, So wie die großen Potentaten
- Parallelismus
- Bund und Reichstag an: der Feldzug wird beliebt
- Personifikation
- Der große Condor sich zum Krieg
- Rhetorische Frage
- Und, um das Haus Bourbon beglückter zu bekriegen
- Symbolik
- Der Condor und die Staaren
- Vergleich
- So wie die großen Potentaten