Der Blick gen Himmel

Joseph Christian von Zedlitz

1790

Nimm in die Hand den Stab, Du Wandersmann durch’s Leben, Der Weg, bald rauh, bald eben, Führt sicher Dich zum Grab.

Die Bahn ist bald durchschritten Durch diese Zeitlichkeit, Dann stehest Du inmitten Der grauen Ewigkeit.

Ein Tag flieht um den andern, Auch die mußt Du durchwandern; Wo aber hält der Lauf Der fernen Zukunft auf? –

Fort, Bild, das meinen Geist Tief in den Abgrund reißt! Ein uferloses Meer, Und alles öd’ und leer! –

Doch über Fluth und Wogen Glänzt hell das Sonnenlicht: Die Liebe kommt geflogen, Die süße Stimme spricht:

»Nach oben mußt Du schauen, Gedrücktes, wundes Herz, Dann wandelt in Entzücken Sich bald Dein tiefster Schmerz.«

»Froh darfst Du Hoffnung fassen, Wie hoch die Fluth auch treibt; Wie wärst Du denn verlassen, Wenn Dir die Liebe bleibt?«

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Illustration zu Der Blick gen Himmel

Interpretation

Das Gedicht "Der Blick gen Himmel" von Joseph Christian von Zedlitz beschäftigt sich mit den existenziellen Fragen des menschlichen Lebens und der Suche nach Hoffnung und Trost. Es beginnt mit einer düsteren Betrachtung des Lebensweges, der unweigerlich zum Tod führt. Der Wanderer wird ermahnt, sich auf den rauen und unebenen Pfad des Lebens vorzubereiten, der durch die Vergänglichkeit der Zeit führt und schließlich in der Ewigkeit endet. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Ungewissheit der Zukunft thematisiert. Die Tage fliehen dahin, und der Lauf der fernen Zukunft scheint grenzenlos und bedrohlich. Der Dichter malt ein Bild eines uferlosen Meeres, das leer und öde erscheint. Doch inmitten dieser Verzweiflung erscheint die Liebe als rettender Engel. Sie ruft den Betrachter auf, nach oben zu schauen und Trost zu finden. Die abschließenden Zeilen des Gedichts bringen eine Botschaft der Hoffnung und des Trostes. Die Liebe ermutigt den Betrachter, nach oben zu schauen und sich von der Schönheit des Himmels inspirieren zu lassen. Sie verspricht, dass der tiefste Schmerz in Entzücken verwandelt werden kann und dass man selbst in den höchsten Fluten der Verzweiflung nicht allein gelassen wird, solange die Liebe bleibt. Das Gedicht endet mit einer optimistischen Note, die den Leser ermutigt, auch in schwierigen Zeiten Hoffnung zu bewahren.

Schlüsselwörter

bald mußt fluth liebe nimm hand stab wandersmann

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Bald rauh, bald eben
Anapher
Wo aber hält der Lauf
Metapher
Nach oben mußt Du schauen
Personifikation
Die Bahn ist bald durchschritten