Der Bettler
1803“En alte Maa, en arme Maa,
er spricht Ich um e Wohltat a.
E Stückli Brot ab Euem Tisch,
wenn’s Eue guete Willen isch !
He jo, dur Gotts Wille !
In Sturm un Wetter, arm un bloß,
gibore bin i uf der Strooß,
un uf der Strooß in Sturm un Wind
erzogen, arm, e Bettelchind.
Druf wo n i chräftig worde bi,
un d’Eltere sinn gstorbe gsi,
se han i denkt: Saldatetod
isch besser weder Bettelbrot.
I ha in schwarzer Wetternacht
vor Laudons Zelt un Fahne gwacht;
i bi bym Paschal Paoli
in Korsika Draguner gsi,
un gfochte han i wie ne Maa
un Bluet an Gurt un Säbel gha.
I bi vor mengger Batterii,
i bi in zwenzig Schlachte gsi
un ha mit Treu un Tapferkait
dur Schwert un Chugle’s Lebe trait.
Zletscht henn si mi mit lahmem Arm
ins Elend gschickt. Daß Gott erbarm!
He jo, dur Gotts Wille ! "
“Chumm, arme Maa !
I gunn der’s, wie n i’s selber ha.
Un helf der Gott uus dyner Not
un tröst di, bis es besser goht.”
“Vergelt’s der Gott un dank der Gott,
du zarten Engel, wyß un rot;
un geb der Gott e brave Maa! -
Was luegsch mi so biwegli a?
Hesch öbben au ne Schatz im Zelt,
mit Schwert un Roß im wyte Feld?
Biwahr di Gott vor Weh un Laid
un geb dym Schatz e sicher Glait
un bring der ball e gsunde Maa!
s geht zimli scharf vor Mantua. s cha sii, i chönnt der Meldig gee. -
Was luegsch mi a un wirsch wie Schnee
un saisch nit: Henk dy Bettelgwand,
dy falsche graue Bart an d’Wand?
Jetz bschau mi recht, un chennsch mi no?
Geb Gott, i seig Gottwilche do !”
“Heer Jesis, der Fridli, my Fridli isch do!
Gottwilche, Gottwilche, wohl chenn i di no !
Wohl het mi biglaitet dy lieblichi Gstalt
uf duftige Matten, im schattige Wald.
Wohl het di biglaitet my bchümmeret Herz
dur Schwerter un Chugle mit Hoffnig un Schmerz
un briegget un bettet. Gott het mer willfahrt
un het mer my Fridli un het mer en gspart.
Wie chlopft’s mer im Buese, wie bin i so froh!
O Muetter, chumm waidli, my Fridli isch do!”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Bettler" von Johann Peter Hebel erzählt die bewegende Geschichte eines alten, armen Mannes, der um Brot bittet. In seiner Not schildert er sein hartes Leben, das von Armut und Krieg geprägt war. Er berichtet von seinen Erfahrungen als Soldat, von Schlachten und seinem Dienst unter verschiedenen Befehlshabern. Trotz seiner Tapferkeit und Treue endete seine militärische Laufbahn in Elend aufgrund einer Verletzung. Die zweite Strophe offenbart eine überraschende Wendung, als die Frau, die dem Bettler zu essen gibt, erkennt, dass es sich um ihren lang vermissten Ehemann handelt. Die emotionale Intensität steigert sich, als sie ihn als "Fridli" anspricht und ihre tiefe Freude und Erleichterung zum Ausdruck bringt. Die Sprache wird dabei emotionaler und persönlicher, was die Intimität des Wiedersehens unterstreicht. Das Gedicht thematisiert die Schicksale von Soldaten, die nach ihrem Dienst oft in Armut und Obdachlosigkeit enden. Es zeigt auch die unerwartete Freude und Erleichterung, die ein Wiedersehen nach langer Trennung mit sich bringen kann. Die Verwendung des Alemannischen Dialekts verleiht dem Gedicht eine besondere Authentizität und Nähe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sturm un Wetter
- Anapher
- En alte Maa, en arme Maa
- Anspielung
- Vor Laudons Zelt un Fahne
- Bildsprache
- Duftige Matten, im schattige Wald
- Hyperbel
- Druf wo n i chräftig worde bi
- Ironie
- Was luegsch mi so biwegli a?
- Kontrast
- Armut und Tapferkeit
- Metapher
- Arm, un bloß
- Metonymie
- Schwert un Roß
- Personifikation
- Druf wo n i chräftig worde bi
- Rhetorische Frage
- Was luegsch mi so biwegli a?
- Symbolik
- Bettelgwand
- Wiederholung
- Gottwilche, Gottwilche