Der Bettelsoldat
1784Mit jammervollem Blicke, Von tausend Sorgen schwer, Hink ich an meiner Krücke In weiter Welt umher.
Gott weiß, hab viel gelitten, Ich hab so manchen Kampf In mancher Schlacht gestritten, Gehüllt in Pulverdampf.
Sah manchen Kameraden An meiner Seite tot Und mußt im Blute waten, Wenn es mein Herr gebot.
Mir drohten oft Geschütze Den fürchterlichsten Tod, Oft trank ich aus der Pfütze, Oft aß ich schimmlig Brot.
Ich stand in Sturm und Regen In grauser Mitternacht, Bei Blitz und Donnerschlägen, Oft einsam auf der Wacht.
Und nun nach mancher Schonung, Noch fern von meinem Grab, Empfang ich die Belohnung - Mit diesem Bettelstab.
Bedeckt mit dreizehn Wunden, An meine Krück gelehnt, Hab ich in manchen Stunden Mich nach dem Tod gesehnt.
Ich bettle vor den Türen, Ich armer lahmer Mann! Doch ach! wen kann ich rühren? Wer nimmt sich meiner an?
War einst ein braver Krieger, Sang manch Soldatenlied Im Reihen froher Sieger; Nun bin ich Invalid.
Ihr Söhne, bei der Krücke, An der mein Leib sich beugt, Bei diesem Tränenblicke, Der sich zum Grabe neigt;
Beschwör ich euch - ihr Söhne! O flieht der Trommel Ton! Und Kriegstrommetentöne, Sonst kriegt ihr meinen Lohn.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Bettelsoldat" von Christian Friedrich Daniel Schubart thematisiert das Schicksal eines verwundeten Kriegsveteranen, der nach seinem Dienst in Armut und Verzweiflung lebt. Der Soldat erinnert sich an die schrecklichen Erlebnisse im Krieg, darunter den Verlust von Kameraden, das Durchwaten von Blut und das Aushalten von Hunger und Durst. Trotz seiner Tapferkeit und Opferbereitschaft wird er nach dem Krieg mit einem Bettelstab belohnt, was die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den Kriegsheimkehrern verdeutlicht. Der Soldat beschreibt seine körperlichen und seelischen Wunden, die ihn zu einem Invaliden gemacht haben. Er bettelt vor den Türen und fragt sich, wer sich seiner annehmen wird. Der Kontrast zwischen seiner einstigen Rolle als tapferer Krieger, der fröhliche Soldatenlieder sang, und seiner jetzigen Situation als Bettler unterstreicht die Tragik seines Schicksals. Das Gedicht verdeutlicht die Grausamkeit des Krieges und die mangelnde Unterstützung für diejenigen, die für ihr Land gekämpft haben. In einem Appell an die jüngere Generation warnt der Soldat vor den Verlockungen des Krieges und der Trommel. Er bittet die Söhne, dem Klang der Trommel und den Kriegstrompeten zu entfliehen, um nicht das gleiche Schicksal wie er zu erleiden. Das Gedicht endet mit einer eindringlichen Warnung vor den Folgen des Krieges und der Notwendigkeit, junge Menschen vor den Schrecken des Krieges zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit jammervollem Blicke, Von tausend Sorgen schwer
- Anapher
- Bei der Krücke, An der mein Leib sich beugt
- Appell
- Beschwör ich euch - ihr Söhne! O flieht der Trommel Ton!
- Bildsprache
- Gehüllt in Pulverdampf
- Hyperbel
- Sah manchen Kameraden An meiner Seite tot
- Kontrast
- War einst ein braver Krieger, Nun bin ich Invalid
- Metapher
- In weiter Welt umher
- Personifikation
- Gott weiß, hab viel gelitten
- Rhetorische Frage
- Doch ach! wen kann ich rühren? Wer nimmt sich meiner an?
- Symbolik
- Mit diesem Bettelstab