Der Betrug
1726Ich trink, und oft betrink ich mich, Mein Mädchen, auf dein Wohlergehen! Da solltest du den Vater Bacchus sehen: Er denkt, und brüstet sich, Es sey blos ihm zum Trost geschehen.
Der gute Narr! er brüste sich, Frohlocke gegen seine Brüder! Ich sag es dir, doch sag es ihm nicht wieder! Aus Liebe nur für dich, Trink ich, trink ich mich öfters nieder.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Betrug" von Christian Felix Weiße beschreibt die innere Zerrissenheit eines Mannes, der vorgibt, aus Vergnügen zu trinken, während sein wahrer Grund die Liebe zu einem Mädchen ist. Er trinkt auf ihr Wohlergehen und betrinkt sich oft, doch dies geschieht nicht aus Selbstsucht, sondern aus tiefer Zuneigung. Der Sprecher stellt sich vor, wie der Gott Bacchus, der als Symbol für das Trinken steht, glaubt, sein Tun sei ihm selbst zum Trost. Doch der Sprecher durchschaut diesen "guten Narren" und offenbart, dass sein eigenes Trinken einzig der Geliebten gilt. Der zweite Teil des Gedichts offenbart die Ironie der Situation. Der Sprecher bezeichnet Bacchus als "guten Narren", der sich brüsten und frohlocken soll, während er selbst die Wahrheit kennt. Er bittet das Mädchen, diese Erkenntnis nicht weiterzugeben, da es ein Geheimnis zwischen ihnen bleiben soll. Die Wiederholung des Satzes "Ich trink, trink ich mich öfters nieder" unterstreicht die Intensität seiner Gefühle und die Opfer, die er für sie bringt. Das Trinken wird somit zu einem Akt der Hingabe und nicht der Selbstzerstörung. Insgesamt ist das Gedicht eine zärtliche und zugleich traurige Liebeserklärung, in der der Sprecher seine Hingabe durch ein scheinbar selbstzerstörerisches Verhalten ausdrückt. Die Ironie liegt darin, dass er vorgibt, aus Vergnügen zu trinken, während sein wahres Motiv die Liebe ist. Die Wiederholungen und die direkte Ansprache an das Mädchen verleihen dem Gedicht eine intime und persönliche Note, die die Tiefe seiner Gefühle unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Trink ich, trink ich mich öfters nieder
- Ausruf
- Der gute Narr!
- Ironie
- Der gute Narr! er brüste sich
- Metapher
- Der Vater Bacchus
- Personifikation
- Er denkt, und brüstet sich