Der bescheidne Schäfer
1758Mein Schäfer, ach! der ist bescheiden! Er liebt mich, zärtlich liebt er mich! Der Innbegriff von seinen Freuden, Sagt er mir öfters, sey nur ich: Doch bleibt er allezeit bescheiden.
Jüngst ließ die Mutter uns alleine; Was denkst du, ist alsdenn geschehn? Da stand er starr, gleich einem Steine, Guckt in den Hut, und wolte gehn, Und ach! wir waren ganz alleine!
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Interpretation
Das Gedicht "Der bescheidne Schäfer" von Christian Felix Weiße beschreibt die Zuneigung eines schüchternen Schäfers zu seiner Geliebten. Der Schäfer wird als bescheiden und zurückhaltend charakterisiert, der seine Liebe zwar ausdrückt, aber immer in Maßen bleibt. Die Geliebte scheint diese Bescheidenheit zu schätzen, da sie ihn als den Inbegriff ihrer Freuden bezeichnet. In der zweiten Strophe wird eine Situation beschrieben, in der die beiden alleine gelassen werden. Der Schäfer reagiert darauf mit großer Verlegenheit und Unsicherheit. Er steht starr da, blickt in seinen Hut und möchte gehen. Diese Reaktion verdeutlicht die extreme Schüchternheit des Schäfers, die selbst in intimen Momenten nicht überwunden werden kann. Die Geliebte drückt ihre Enttäuschung darüber aus, dass sie in dieser Situation nicht mehr von ihm erfahren konnte. Das Gedicht porträtiert auf humorvolle Weise die Schwierigkeiten, die extreme Schüchternheit in einer aufkeimenden Beziehung mit sich bringen kann. Es zeigt die Diskrepanz zwischen den inneren Gefühlen des Schäfers und seiner äußeren Zurückhaltung. Die Geliebte scheint einerseits die Bescheidenheit zu schätzen, ist aber andererseits frustriert über die mangelnde Initiative des Schäfers, wenn sich eine Gelegenheit für mehr Intimität bietet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schäfer, ach! der ist bescheiden
- Anapher
- Er liebt mich, zärtlich liebt er mich!
- Metapher
- Der Innbegriff von seinen Freuden
- Vergleich
- Da stand er starr, gleich einem Steine