Der Beduine

Joseph Christian von Zedlitz

1837

Ich leb’ im heißen Sonnenbrand, Die Wüste ist mein Vaterland, Die Heimath, wo mein Zelt erbaut, Und wo ein grüner Weidplatz schaut.

Und wo ein dürftig Quellchen rinnt, Ein Dattelbaum sein Mark gewinnt, Wo müde das Kameel sich streckt, Dort wird mein Lager ausgesteckt.

Ich hab’ ein Roß, das, wie ein Pfeil Vom Bogen, fliegt mit Windeseil’, Es geht zur Weide zügelfrei Und kommt auf meinen Ruf herbei.

Und auf der Haut vom Panther wild Hängt Bogen, Köcher, Schwert und Schild, Und hinter meines Zeltes Thor Mein sichertreffend Feuerrohr.

Mein’ Habe hält kein Zaum umfaßt, Ich bin mein Wirth und eigner Gast; Mein nächster Nachbar neben mir Wohnt hundert Meilen wohl von hier!

Ich bin von Welt und Menschen fern, Hab’ keinen König, keinen Herrn; Bin Fürst, wohin mein Wurfspieß reicht, Bin Fürst, wohin mein Bolzen fleugt.

Frei, wie der Wind der Wüste weht, Frei, wie die Antilope geht, Zieh’ ich aus dem durchglühten Sand, So weit die Eb’ne ausgespannt. –

Weib meines Herzens, meiner Lust, Du einzig liegst an meiner Brust, Dein braunes Aug’ blickt mild und klar, Wie Moschus wallt Dein dunkles Haar!

Nie werd’ ich Deiner Schönheit satt, Nie werd’ ich Deines Reizes matt; Noch glüh’ ich wie am ersten Tag, Wo ich in Deinen Armen lag.

Denkst Du der wonnesel’gen Nacht Unter des Sternenhimmels Pracht, Wo süß gebuhlt die laue Luft Mit der Akazie Blüthenduft?

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Beduine

Interpretation

Das Gedicht "Der Beduine" von Joseph Christian von Zedlitz schildert das Leben eines Beduinen in der Wüste als ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit. Der Sprecher beschreibt seine Heimat als die Wüste, wo er in einem Zelt lebt und von der Natur umgeben ist. Er besitzt ein schnelles Pferd, Waffen und hat keine festen Grenzen oder Beschränkungen. Der Beduine ist sein eigener Herr und Fürst, frei wie der Wind und die Antilope. Der zweite Teil des Gedichts widmet sich der Liebe des Beduinen zu seiner Frau. Er preist ihre Schönheit und ihren Reiz, vergleicht ihre Augen mit Moschus und ihr Haar mit einem dunklen, wallenden Duft. Die Erinnerung an eine gemeinsame Nacht unter dem Sternenhimmel, erfüllt von Liebe und dem Duft der Akazienblüten, wird als besonders wonnevoll beschrieben. Die Liebe des Beduinen zu seiner Frau ist leidenschaftlich und unverändert, wie am ersten Tag ihrer Vereinigung. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Bild von der Lebensweise der Beduinen als ein Leben in Harmonie mit der Natur, geprägt von Freiheit, Unabhängigkeit und einer tiefen Verbundenheit zur Familie. Die Beschreibung der Wüste als Heimat und die Verehrung der Frau als "Weib des Herzens" und "einzig Geliebte" unterstreichen die romantisierende Sichtweise des Autors auf diese Lebensweise.

Schlüsselwörter

wüste hab bogen geht keinen fürst wohin frei

Wortwolke

Wortwolke zu Der Beduine

Stilmittel

Bildsprache
Wo süß gebuhlt die laue Luft mit der Akazie Blüthenduft
Hyperbel
Mein nächster Nachbar neben mir wohnt hundert Meilen wohl von hier
Metapher
Die Wüste ist mein Vaterland
Parallelismus
Bin Fürst, wohin mein Wurfspieß reicht, Bin Fürst, wohin mein Bolzen fleugt
Personifikation
Frei, wie der Wind der Wüste weht
Symbolik
Bogen, Köcher, Schwert und Schild
Vergleich
Ich hab' ein Roß, das, wie ein Pfeil vom Bogen, fliegt mit Windeseil'