Der Baum

Georg Heym

1942

Sonne hat ihn gesotten, Wind hat ihn dürr gemacht, Kein Baum wollte ihn haben, Überall fiel er ab.

Nur eine Eberesche Mit roten Beeren bespickt Wie mit feurigen Zungen, Hat ihm Obdach gegeben.

Und da hing er mit Schweben, Seine Füße lagen im Gras. Die Abendsonne fuhr blutig Durch die Rippen ihm naß,

Schlug die Ölwälder alle Über der Landschaft herauf, Gott in dem weißen Kleide Tat in den Wolken sich auf.

In den blumigen Gründen Ringelte Schlangengezücht, In den silbernen Hälsen Zwitscherte dünnes Gerücht.

Und sie zitterten alle Über dem Blätterreich, Hörend die Hände des Vaters Im hellen Geäder leicht.

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Illustration zu Der Baum

Interpretation

Das Gedicht "Der Baum" von Georg Heym handelt von einem Baum, der von der Sonne gebräunt und vom Wind ausgedörrt wurde. Kein anderer Baum wollte ihn haben, und er fiel überall ab. Nur eine Eberesche mit roten Beeren, die wie feurige Zungen aussahen, gab ihm Obdach. Der Baum hing an der Eberesche, seine Füße lagen im Gras. Die Abendsonne fuhr blutig durch seine Rippen, und die Ölwälder schlugen sich über der Landschaft auf. Gott erschien in einem weißen Kleid in den Wolken. In den blumigen Gründen gab es Schlangengezücht und in den silbernen Hälsen zwitscherte dünnes Gerücht. Alle Bäume zitterten über dem Blätterreich, als sie die Hände des Vaters im hellen Geäder leicht hörten. Das Gedicht "Der Baum" von Georg Heym ist ein expressionistisches Werk, das eine düstere und bedrohliche Atmosphäre schafft. Der Baum wird als ein ausgestoßenes und unerwünschtes Wesen dargestellt, das von der Natur und den anderen Bäumen abgelehnt wird. Nur die Eberesche mit ihren roten Beeren zeigt Mitgefühl und gibt dem Baum Obdach. Die Beschreibung der Abendsonne, die blutig durch die Rippen des Baumes fährt, und die Erscheinung Gottes in den Wolken verleihen dem Gedicht eine mystische und religiöse Dimension. Die Anwesenheit von Schlangengezücht und das Zwitschern von Gerüchten in den silbernen Hälsen verstärken die unheimliche Stimmung. Das Gedicht endet mit einem Bild von zitternden Bäumen, die die leichten Hände des Vaters im Geäder hören, was auf eine göttliche Präsenz und eine Verbindung zur Natur hindeutet. Das Gedicht "Der Baum" von Georg Heym ist ein Beispiel für die expressionistische Dichtung, die sich durch eine starke emotionale Ausdrucksweise und eine oft düstere und bedrohliche Stimmung auszeichnet. Das Gedicht thematisiert die Isolation und Ablehnung des Baumes durch die Natur und die anderen Bäume. Die Eberesche mit ihren roten Beeren symbolisiert Mitgefühl und Trost in einer feindlichen Umgebung. Die Verwendung von bildhafter Sprache und Metaphern, wie die blutige Abendsonne und die Erscheinung Gottes in den Wolken, verleiht dem Gedicht eine mystische und religiöse Dimension. Die Anwesenheit von Schlangengezücht und das Zwitschern von Gerüchten verstärken die unheimliche Atmosphäre. Das Gedicht endet mit einem Bild von zitternden Bäumen, die die leichten Hände des Vaters hören, was auf eine göttliche Präsenz und eine Verbindung zur Natur hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft von Einsamkeit, Ablehnung und der Suche nach Trost und Zugehörigkeit.

Schlüsselwörter

alle sonne gesotten wind dürr gemacht kein baum

Wortwolke

Wortwolke zu Der Baum

Stilmittel

Bildsprache
In den blumigen Gründen Ringelte Schlangengezücht
Hyperbel
Schlug die Ölwälder alle Über der Landschaft herauf
Metapher
Mit roten Beeren bespickt Wie mit feurigen Zungen
Onomatopoesie
Zwitscherte dünnes Gerücht
Personifikation
Hörend die Hände des Vaters Im hellen Geäder leicht
Symbolik
Abendsonne fuhr blutig Durch die Rippen ihm naß