Der Bauer

Gottfried August Bürger

1789

In seinen Durchlauchtigen Tyrannen

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu Zerrollen mich dein Wagenrad, Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut Darf Klau′ und Rachen hau′n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst, Das Hurra deiner Jagd mich treibt, Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt, Was Roß, und Hund, und Du verschlingst, Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg′ und Pflug, Hast nicht den Erntetag durchschwitzt. Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott? Gott spendet Segen aus; du raubst! Du nicht von Gott, Tyrann!

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Illustration zu Der Bauer

Interpretation

Das Gedicht "Der Bauer" von Gottfried August Bürger ist eine kraftvolle Kritik an der Tyrannei und dem Missbrauch von Macht durch die Obrigkeit. Der Bauer stellt dem Fürsten die Frage nach seiner Legitimität und Autorität, indem er die Ungerechtigkeiten aufzeigt, die ihm und seinen Mitmenschen durch die Handlungen des Fürsten widerfahren. Der Bauer betont, dass der Fürst nicht durch eigene Arbeit das Recht auf das Brot und die Früchte der Erde erlangt hat, sondern durch die Ausbeutung der Bauern. Der Bauer verdeutlicht, dass der Fürst und seine Begleiter, wie Pferde und Jagdhunde, die Saat und den Wald zerstören und das Wild jagen, ohne selbst jemals die Mühe der Feldarbeit auf sich genommen zu haben. Er betont, dass der Fürst nicht durch harte Arbeit, sondern durch Raub und Unterdrückung an seinen Reichtum und seine Macht gekommen ist. Der Bauer stellt die göttliche Legitimation des Fürsten in Frage und wirft ihm vor, dass er nicht von Gott, sondern von seiner eigenen Gier und Tyrannei getrieben wird. Das Gedicht endet mit einer scharfen Anklage gegen den Fürsten, der als "Tyrann" bezeichnet wird. Der Bauer stellt klar, dass der Fürst nicht von Gott eingesetzt wurde, sondern ein Unterdrücker ist, der die Segnungen Gottes raubt und missbraucht. Das Gedicht ist ein Aufruf zur Gerechtigkeit und eine Aufforderung, die Ungerechtigkeiten der Herrschenden anzuprangern und sich gegen die Tyrannei zur Wehr zu setzen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bild
Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut Darf Klau′ und Rachen hau′n?
Frage
Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu Zerrollen mich dein Wagenrad, Zerschlagen darf dein Roß?
Ironie
Du Fürst hast nicht, bei Egg′ und Pflug, Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Kontrast
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Metapher
Das Hurra deiner Jagd
Wiederholung
Wer bist du, Fürst, daß