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Der Bauer und sein Kind

Von

Der Bauer steht vor seinem Feld
Und zieht die Stirne kraus in Falten:
„Ich hab′ den Acker wohl bestellt,
Auf reine Aussaat streng gehalten;
Nun seh′ mir eins das Unkraut an!
Das hat der böse Feind getan.“

Da kommt sein Knabe hochbeglückt,
Mit bunten Blüten reich beladen;
Im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden;
Er jauchzt: „Sieh, Vater, nur die Pracht!
Die hat der liebe Gott gemacht.“

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Gedicht: Der Bauer und sein Kind von Julius Sturm

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Bauer und sein Kind“ von Julius Sturm behandelt auf einfache Weise das Thema der Perspektive und des Werteverständnisses. Es zeigt den Kontrast zwischen der pragmatischen, auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten Sicht des Vaters und der unschuldigen, von der Schönheit der Natur begeisterten Sichtweise des Kindes. Der Bauer, mit Sorgenfalten auf der Stirn, sieht das Feld und beklagt das Unkraut, das seine Ernte gefährdet, und gibt dem „bösen Feind“ die Schuld. Er fokussiert sich auf das, was ihn in seiner Arbeit behindert und was seinen wirtschaftlichen Erfolg schmälern könnte.

Der Kontrast wird besonders deutlich durch die darauffolgende Reaktion des Sohnes. Während der Vater die Arbeit und den Ertrag des Ackers im Blick hat, sieht das Kind die Schönheit und den Wert der Natur in den bunten Blumen, die es gepflückt hat. Der Knabe ist „hochbeglückt“ und jauchzt vor Freude über die Pracht der Blumen. Er nimmt die Welt mit offenen Augen wahr und sieht das Schöne, das der Vater in seinem Fokus auf die Arbeit übersieht. Er schreibt diese Schönheit sogar dem „lieben Gott“ zu, was seine unschuldige und kindliche Sichtweise zusätzlich unterstreicht.

Die Kernbotschaft des Gedichts liegt in dieser Gegenüberstellung. Es deutet darauf hin, dass der Blickwinkel entscheidend ist und dass unterschiedliche Perspektiven zu unterschiedlichen Werten führen. Der Bauer ist ganz auf seine Arbeit fixiert, während das Kind die Welt mit kindlicher Freude und unvoreingenommener Wertschätzung erlebt. Das Gedicht regt dazu an, die eigene Sichtweise zu hinterfragen und die kleinen Schönheiten des Lebens nicht zu übersehen.

Sturms Gedicht ist kurz und prägnant gehalten, mit einfachen Worten und einer klaren Struktur. Der Gegensatz zwischen dem trüben Blick des Vaters und der kindlichen Freude des Sohnes wird durch die Gegenüberstellung von „Unkraut“ und „bunten Blüten“ verstärkt. Die Moral des Gedichts wird nicht explizit ausgesprochen, sondern dem Leser überlassen, der aufgefordert wird, über die unterschiedlichen Perspektiven und die Bedeutung des Wertes von Schönheit und Freude nachzudenken.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.