Der Bauer und sein Kind

Julius Karl Reinhold Sturm

1896

Der Bauer steht vor seinem Feld Und zieht die Stirne kraus in Falten: “Ich hab′ den Acker wohl bestellt, Auf reine Aussaat streng gehalten; Nun seh′ mir eins das Unkraut an! Das hat der böse Feind getan.”

Da kommt sein Knabe hochbeglückt, Mit bunten Blüten reich beladen; Im Felde hat er sie gepflückt, Kornblumen sind es, Mohn und Raden; Er jauchzt: “Sieh, Vater, nur die Pracht! Die hat der liebe Gott gemacht.”

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Bauer und sein Kind

Interpretation

Das Gedicht "Der Bauer und sein Kind" von Julius Karl Reinhold Sturm erzählt von der unterschiedlichen Wahrnehmung von Natur und Leben zwischen einem erfahrenen Bauern und seinem unschuldigen Kind. Der Bauer, der sein Feld bestellt und auf eine reine Aussaat geachtet hat, ist enttäuscht, als er Unkraut wachsen sieht. Er führt dies auf den "bösen Feind" zurück, was darauf hindeutet, dass er das Unkraut als Störung und Bedrohung für seine Arbeit betrachtet. Seine Sichtweise ist geprägt von der Härte der Arbeit und dem Wunsch nach Kontrolle über die Natur. Im Gegensatz dazu nähert sich der Knabe voller Freude und Staunen dem Feld. Er hat die bunten Blumen – Kornblumen, Mohn und Raden – gepflückt und sieht in ihnen eine Pracht, die von Gott geschaffen wurde. Seine unschuldige Perspektive lässt ihn die Schönheit und Vielfalt der Natur erkennen, ohne die praktischen Sorgen des Bauern zu teilen. Das Kind symbolisiert die Fähigkeit, das Gute und Schöne in allem zu sehen, unabhängig von der Kategorisierung als nützlich oder schädlich. Das Gedicht verdeutlicht die Differenz zwischen der erwachsenen, oft von Sorgen und Erwartungen geprägten Sichtweise und der kindlichen, reinen Freude am Leben. Es regt zum Nachdenken darüber an, wie oft Erwachsene die kleinen Wunder des Alltags übersehen, weil sie zu sehr auf das Praktische und Kontrollierbare fixiert sind. Die Natur wird hier als ein Ort dargestellt, der sowohl Herausforderungen als auch Schönheit birgt, je nachdem, aus welcher Perspektive man sie betrachtet.

Schlüsselwörter

bauer steht feld zieht stirne kraus falten hab

Wortwolke

Wortwolke zu Der Bauer und sein Kind

Stilmittel

Ironie
Sieh, Vater, nur die Pracht! / Die hat der liebe Gott gemacht
Kontrast
Der Bauer steht vor seinem Feld / Und zieht die Stirne kraus in Falten
Metapher
Ich hab′ den Acker wohl bestellt, / Auf reine Aussaat streng gehalten
Personifikation
Das hat der böse Feind getan
Symbolik
Kornblumen sind es, Mohn und Raden