Der Bauer, als er aus der Kirche kam
1777Ach, wie erwähltet Ihr heut, Herr Pfarr, so erbauliche Lieder! Grade die Nummern, seht her, die ich ins Lotto gesetzt.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Bauer, als er aus der Kirche kam" von Heinrich von Kleist zeigt einen Bauern, der nach dem Gottesdienst mit dem Pfarrer spricht. Der Bauer äußert sich erstaunt über die "erwählten" und "erbaulichen" Lieder, die genau die Nummern waren, auf die er in einem Spiel gesetzt hatte. Diese scheinbar fromme Reaktion des Bauern offenbart eine tiefere Ironie und Kritik an der Verquickung von religiösen und weltlichen Interessen. Die Ironie des Gedichts liegt in der unerwarteten Verbindung zwischen dem Gottesdienst und dem Lottospiel. Der Bauer interpretiert die Liednummern als Glückszahlen, was auf eine profane Sichtweise der religiösen Zeremonie hindeutet. Kleist nutzt diese Situation, um die Kluft zwischen der spirituellen Intention des Pfarrers und der materialistischen Perspektive des Bauern aufzuzeigen. Durch die knappe und pointierte Sprache vermittelt Kleist eine scharfe Gesellschaftskritik. Das Gedicht verdeutlicht, wie religiöse Rituale von manchen Menschen instrumentalisiert werden, um persönliche Vorteile zu erzielen. Die abschließende Zeile, in der der Bauer stolz seine "gesetzten" Nummern präsentiert, unterstreicht die Diskrepanz zwischen der Heiligkeit des Gottesdienstes und der Profanität des Lottospiels.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- erbauliche Lieder
- Ironie
- Grade die Nummern, seht her, die ich ins Lotto gesetzt