Der Backfisch
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Papa ist heute furchtbar aufgeschwemmt. Er blinzelt müde in die Morgenzeitung. Mama im Morgenrock und ungekämmt, Befaßt sich mit des Kaffees Zubereitung.
Dann spricht sie: Anton! Komm! Es wird bald Zeit! Du darfst mir das Büro nicht noch versäumen! - Ich sitz am Tisch in meinem Rosakleid Und will den ganzen Tag in Rosa träumen.
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Sie sagen in der ersten Mädchenklasse manchmal unanständige Sachen. Ob Maria sich damit befasse? Der Primaner Hubert hat doch Rasse. Und sie lachen.
Und wir heben unsre Kleider, zeigen unsre hübschen Beine. Manche möchten mit nervösen Fingern sich zum Scherz ihr Mieder lösen… Und ich weine…
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Interpretation
Das Gedicht "Der Backfisch" von Klabund beschreibt das Leben eines jungen Mädchens am Rande der Pubertät. Es zeigt die Kontraste zwischen der Erwachsenenwelt der Eltern und der eigenen, noch kindlichen Welt des Mädchens. Die erste Strophe führt die Protagonistin ein, die in einem rosafarbenen Kleid am Frühstückstisch sitzt und in ihre Träume versunken ist, während ihre Eltern ihren Alltagstrott leben. Die zweite Strophe thematisiert die Neugier und das Erwachen sexueller Interessen bei den jungen Mädchen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob Maria, vermutlich eine Mitschülerin, sich mit "unanständigen Sachen" beschäftigt. Der Hinweis auf den "Primaner Hubert" deutet auf eine Anziehungskraft zu älteren, männlichen Jugendlichen hin. Die Reaktion der Mädchen, die sich gegenseitig ihre Beine zeigen und mit dem Gedanken spielen, ihre Mieder zu lösen, zeigt eine Mischung aus Neugier, Aufregung und Unbedarftheit. Die letzte Zeile "Und ich weine..." lässt auf eine ambivalente Gefühlslage schließen. Das Mädchen ist einerseits fasziniert von den neuen, aufregenden Erfahrungen, fühlt sich aber auch überfordert und unsicher. Die Tränen könnten Ausdruck von Verwirrung, Scham oder der Angst vor dem Erwachsenwerden sein. Das Gedicht vermittelt auf eindringliche Weise die Zerrissenheit und die emotionale Achterbahnfahrt, die mit dem Erwachsenwerden einhergehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Mit nervösen / Fingern sich zum Scherz ihr Mieder lösen
- Dialog
- Dann spricht sie: Anton! Komm! Es wird bald Zeit!
- Emotionale Steigerung
- Und ich weine...
- Kontrast
- Ob Maria sich damit befasse? / Der Primaner Hubert hat doch Rasse
- Metapher
- Papa ist heute furchtbar aufgeschwemmt
- Personifikation
- Mama im Morgenrock und ungekämmt, / Befaßt sich mit des Kaffees Zubereitung
- Symbolik
- Ich sitz am Tisch in meinem Rosakleid / Und will den ganzen Tag in Rosa träumen
- Wiederholung
- Und sie lachen. / Und wir heben unsre Kleider