Der Augenblick
1897Nun Nacht um mich! Entschwunden im Flug Der leuchtende Augenblick, Der Seligkeit im Schoße mir trug, Nie, nie mehr kehrt er zurück.
Durch dunkelnde Wolken plötzlich quoll Aus innerstem Himmel ein Schein; Ich starrte entzückt und wonnevoll In die strahlende Glorie hinein.
Sie, sie stand vor mir, doch sah ich sie kaum, So war sie von Glanz umwallt; Hernieder beugte vom Wolkensaum Zu mir sich die Engelgestalt.
Mich hätt′ ein Wort zum Gotte gemacht, Wenn ich haschte den Augenblick; Doch er rauschte vorüber, mit ihm in Nacht Schwand alles wieder zurück.
Nun send′ ich ihm nach das gestammelte Wort, Verlorener, der ich bin! Die Tage rollen, die Jahre fort, Doch er ist dahin, dahin!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Augenblick" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt die flüchtige Natur eines erhabenen Augenblicks der Seligkeit, der dem lyrischen Ich widerfährt. In der Dunkelheit der Nacht erscheint plötzlich ein strahlendes Licht aus dem Himmel, in das der Sprecher voller Entzücken blickt. In diesem Licht erkennt er eine Engelgestalt, die sich ihm zuwendet. Der Moment ist so überwältigend, dass er das lyrische Ich beinahe zu einem Gott gemacht hätte, wenn es den Augenblick hätte festhalten können. Doch der Augenblick ist vergänglich und rauscht vorüber, alles kehrt in die Nacht zurück. Das lyrische Ich bleibt zurück mit dem Bedauern, den Moment nicht ergriffen zu haben. Es sendet dem verlorenen Augenblick nach, in der Hoffnung, ihn festhalten zu können, doch vergeblich. Die Zeit vergeht, die Jahre rollen dahin, doch der Moment kehrt nicht zurück. Das Gedicht thematisiert die Vergänglichkeit der Zeit und die Sehnsucht nach einem verloren gegangenen, transzendenten Augenblick der Seligkeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Nacht um mich
- Personifikation
- Die Tage rollen, die Jahre fort