Der Asra
1851Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und nieder Um die Abendzeit am Springbrunn, Wo die weißen Wasser plätschern.
Täglich stand der junge Sklave Um die Abendzeit am Springbrunn, Wo die weißen Wasser plätschern; Täglich ward er bleich und bleicher.
Eines Abends trat die Fürstin Auf ihn zu mit raschen Worten: “Deinen Namen will ich wissen, Deine Heimat, deine Sippschaft!”
Und der Sklave sprach: “Ich heiße Mohamet, ich bin aus Yemmen, Und mein Stamm sind jene Asra, Welche sterben, wenn sie lieben.”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Asra" von Heinrich Heine handelt von der tragischen Liebe eines jungen Sklaven zur Tochter eines Sultans. Die Szenerie wird in den ersten beiden Strophen beschrieben: Die schöne Sultanstochter geht täglich zur Abendzeit zum Springbrunnen, wo auch der junge Sklave steht und immer blasser wird. Es wird deutlich, dass der Sklave heimlich in die Prinzessin verliebt ist. In der dritten Strophe kommt es zur direkten Begegnung zwischen den beiden. Die Prinzessin spricht den Sklaven an und will seinen Namen, seine Herkunft und seinen Stamm erfahren. Der Sklave gibt sich als Mohamet aus Jemen zu erkennen und offenbart, dass er dem Stamm der Asra angehört. Diese sagenhaften Menschen sterben, wenn sie lieben. Damit deutet er an, dass seine Liebe zur Prinzessin ihn das Leben kosten wird. Die letzten beiden Zeilen des Gedichts fassen die Tragik der Situation zusammen. Der Sklave Mohamet liebt die Prinzessin heimlich und leidenschaftlich, weiß aber, dass diese Liebe unmöglich und tödlich für ihn ist. Er gehört einer anderen Kultur und einem niedrigeren Stand an und kann niemals eine Beziehung mit der Sultanstochter eingehen. So wird seine Liebe zu einem stillen, unerfüllten Verlangen, das ihn innerlich auffrisst und am Ende sein Leben kosten wird. Das Gedicht thematisiert die Unmöglichkeit einer Liebe über kulturelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Kontrast
- Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und nieder / Um die Abendzeit am Springbrunn, / Wo die weißen Wasser plätschern.
- Parallelismus
- Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und nieder / Um die Abendzeit am Springbrunn, / Wo die weißen Wasser plätschern.
- Personifikation
- Wo die weißen Wasser plätschern.
- Symbolik
- Welche sterben, wenn sie lieben.
- Wiederholung
- Täglich stand der junge Sklave / Um die Abendzeit am Springbrunn, / Wo die weißen Wasser plätschern;