Der arme Fischer
1849Wenn des Flusses klare Wellen Mondbeglänzt vorüber ziehn, Schau ich trübe nach den hellen Fenstern ihres Schlosses hin.
Und es zittern bange Schauer Mir durch Mark und durch Gebein, Denn in hoffnungsloser Trauer Muss ich mich der Sehnsucht weihn.
Ach ich kann sie nicht erreichen!– An der Gluth, die mich zerstört, Wird mein Leben bald verbleichen, Ungeliebt und ungehört.
Seit mein Auge sie gesehen, Ist verwandelt mein Gemüth, Und ich muss vor ihr vergehen, Wie ein Frühlingstag verblüht.
Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket Nicht mehr munter auf der Fluth, Denn der Fischer ist erkranket Und erloschen ist sein Muth.
O wie freudig wollt’ ich sterben, Könnt’ ich nur im Tode mir Einen Blick der Huld erwerben; Eine Thräne nur von ihr!
Aber ach, auf ihrer Höhe Ahnet wohl die Stolze nicht, Dass für sie in stummen Wehe Bald das Herz des Fischers bricht.
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Interpretation
Das Gedicht "Der arme Fischer" von Charlotte von Ahlefeld handelt von einem armen Fischer, der unglücklich in eine Frau verliebt ist, die auf einem Schloss lebt. Er beobachtet die klaren Wellen des Flusses und blickt sehnsuchtsvoll auf die hellen Fenster ihres Schlosses. Die unerfüllte Liebe lässt ihn in tiefer Trauer versinken und seine Gesundheit und Lebensfreude schwinden. Der Fischer fühlt sich der Frau unerreichbar gegenüber und fürchtet, dass seine Liebe ihn zerstören wird. Seit er sie zum ersten Mal erblickt hat, ist seine Seele verwandelt und er muss vor ihr vergehen, wie ein Frühlingstag verblüht. Sein leichtes Boot schwankt nicht mehr munter auf dem Fluss, denn der Fischer ist erkrankt und sein Mut ist erloschen. In seiner Verzweiflung wünscht sich der Fischer, freudig sterben zu können, wenn er im Tode nur einen Blick der Huld oder eine einzige Träne der Frau erhielte. Doch die stolze Frau ahnt nicht, dass auf ihrer Höhe in stummen Wehen bald das Herz des armen Fischers brechen wird. Das Gedicht schildert eindringlich das tragische Schicksal eines unglücklich Liebenden, der an seiner unerfüllten Sehnsucht zugrunde geht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Und es zittern bange Schauer / Mir durch Mark und durch Gebein
- Hyperbel
- Denn der Fischer ist erkranket / Und erloschen ist sein Muth
- Kontrast
- An der Gluth, die mich zerstört, / Wird mein Leben bald verbleichen
- Metapher
- Ach ich kann sie nicht erreichen!-- / An der Gluth, die mich zerstört
- Personifikation
- Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket / Nicht mehr munter auf der Fluth
- Symbolik
- O wie freudig wollt' ich sterben