Der Alpdruck

Kathinka Zitz-Halein

1945

Das Herz ist wie in Schrauben eingepresset, Und auf die Brust fällt’s mit gewalt’ger Wucht, Die Thrän’ ist glühend, die das Auge nässet, Der Mensch gebeugt, als wie von Gott verflucht.

Die Leute schleichen mißtrauisch vorüber, Als traue keiner selbst dem Bruder mehr, Die Blicke fliegen ängstlich scheu hinüber Zum Freund, denn Treue leistet nicht Gewähr.

Selbst Gatten sind entzweit ob ihrer Meinung, Zwisch’ Kind und Ältern herrschet Ärgerniß - Denn durch der Herzen lange Liebeseinung Riß Politik den unheilbaren Riß.

Gar Mancher steht jetzt mit gesunknem Muthe, Der an dem stillen Grimm zu würgen hat, Die Blumen riechen nach vergoßnem Blute, Die schwüle Luft durchsäuselt der Verrath.

Was ist’s, das so auf die Gemüther drücket, Die sonst so gern der Freude sich geweiht, Vom sanften Geist der Eintracht still beglücket? Es ist der Alp, der schwere Alp der Zeit.

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Illustration zu Der Alpdruck

Interpretation

Das Gedicht "Der Alpdruck" von Kathinka Zitz-Halein beschreibt die schwere, bedrückende Atmosphäre einer Zeit, in der Misstrauen und Zwietracht die Gesellschaft beherrschen. Die ersten Strophen vermitteln ein Gefühl der Enge und des Unbehagens, das durch die Metapher des "Alpdrucks" symbolisiert wird. Die Menschen fühlen sich eingeengt und verängstigt, als ob sie unter einem unsichtbaren Druck stehen, der ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Die Beziehungen zwischen den Menschen sind gestört, und selbst die engsten Bindungen wie die zwischen Ehepartnern oder Eltern und Kindern sind durch politische Differenzen zerrissen. Die zweite Hälfte des Gedichts vertieft diese düstere Stimmung, indem sie die Folgen dieser gesellschaftlichen Spaltung aufzeigt. Die Blumen, die sonst für Schönheit und Leben stehen, riechen nun nach vergossenem Blut, was auf die Gewalt und das Leid hinweist, das die Zeit mit sich bringt. Die Luft selbst ist durchtränkt von Verrat, was die allgegenwärtige Angst und Unsicherheit unterstreicht. Die Menschen sind niedergeschlagen und mutlos, gezwungen, ihren Zorn zu unterdrücken, da sie sich in einer Welt voller Gefahren bewegen. Das Gedicht endet mit der Frage nach der Ursache dieser bedrückenden Stimmung, die die Menschen von ihrer natürlichen Neigung zur Freude und Eintracht abbringt. Die Antwort ist klar: Es ist der "Alp der Zeit", ein übermächtiger Druck, der von der politischen und gesellschaftlichen Situation ausgeht. Dieser "Alp" symbolisiert die Last der Geschichte und die Verantwortung, die die Menschen in einer Zeit der Unruhe und des Umbruchs tragen müssen. Das Gedicht vermittelt somit ein tiefes Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, aber auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit, diese schwierigen Zeiten zu durchstehen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Der Alp, der schwere Alp der Zeit
Metapher
Das Herz ist wie in Schrauben eingepresset
Personifikation
Die schwüle Luft durchsäuselt der Verrath
Symbolik
Die Blumen riechen nach vergoßnem Blute
Vergleich
Das Herz ist wie in Schrauben eingepresset