Der Aesthetische

Ludwig Eichrodt

1859

Bandwurmstrophen, göttliche Terzinen Oder auch geharn-ischte Sonette, Lass′ ich los, das eigne Versmas preisend, Aus Petrarka, Dante, Göthe weisend, Platen jedenfalls in Wunderglätte, Meisterbrief ausstellend Allen ihnen, Deutsches hold mit Wälschestem verschweißend, Zählend kunstverwandte Musenstädte, Gold vermählend dem Ultramarinen, Plaudernd über Tizian′s Palette, Etwas überflüssig um mich beißend, Als ob man mich angetastet hätte - Werd′ ich schließlich stumm, Steh′ vor hohem Publikum Da mit stolzen Bettlermienen.

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Illustration zu Der Aesthetische

Interpretation

Das Gedicht "Der Aesthetische" von Ludwig Eichrodt beschreibt die Haltung und das Verhalten eines ästhetisch veranlagten Menschen, der sich in der Kunst und Kultur auskennt und sich durch seine Kenntnisse und seinen Stil von anderen abhebt. Der Sprecher des Gedichts präsentiert sich als Kenner und Experte, der sich mit verschiedenen Dichtern und Künstlern auskennt und deren Werke zu schätzen weiß. Er zeigt sich selbstbewusst und stolz auf sein ästhetisches Empfinden und seine Fähigkeit, verschiedene Stile und Einflüsse zu vereinen. Der Sprecher beschreibt seine Art, sich in der Gesellschaft zu präsentieren, als eine Art Auftritt vor einem hohen Publikum. Er tritt mit "stolzen Bettlermienen" auf, was darauf hindeutet, dass er zwar ästhetisch anspruchsvoll ist, aber möglicherweise auch eine gewisse Arroganz oder Überheblichkeit an den Tag legt. Diese Haltung könnte als eine Art Schutzmechanismus dienen, um sich vor möglichen Angriffen oder Kritik zu schützen. Das Gedicht verdeutlicht auch die Ambivalenz des ästhetischen Empfindens. Einerseits wird die Schönheit und Harmonie der Kunst und Kultur gefeiert, andererseits wird auch die Einsamkeit und Isolation deutlich, die mit einer solchen Haltung einhergehen kann. Der Sprecher wirkt wie ein Außenseiter, der sich in seiner eigenen Welt bewegt und möglicherweise Schwierigkeiten hat, sich mit anderen Menschen zu verbinden. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Rolle der Ästhetik im Leben und die möglichen Auswirkungen einer solchen Haltung auf das soziale Umfeld an.

Schlüsselwörter

bandwurmstrophen göttliche terzinen geharn ischte sonette lass los

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Bandwurmstrophen, göttliche Terzinen
Anspielung
Aus Petrarka, Dante, Göthe weisend
Hyperbel
Meisterbrief ausstellend Allen ihnen
Metapher
Steh′ vor hohem Publikum Da mit stolzen Bettlermienen
Personifikation
Zählend kunstverwandte Musenstädte