Der Abschied
1770Laß mein Aug den Abschied sagen, Den mein Mund nicht nehmen kann! Schwer, wie schwer ist er zu tragen! Und ich bin doch sonst ein Mann.
Traurig wird in dieser Stunde Selbst der Liebe süßtes Pfand, Kalt der Kuß von deinem Munde, Matt der Druck von deiner Hand.
Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen, O wie hat es mich entzückt! So erfreuet uns ein Veilchen, Das man früh im März gepflückt.
Doch ich pflücke nun kein Kränzchen, Keine Rose mehr für dich. Frühling ist es, liebes Fränzchen, Aber leider Herbst für mich!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Abschied" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der schmerzhaften Erfahrung eines Abschieds in der Liebe. Der Sprecher ringt mit der emotionalen Last, die ein Abschied mit sich bringt, und findet es schwer, die Gefühle in Worte zu fassen. Die Augen sollen die Worte ersetzen, die der Mund nicht aussprechen kann, was die Tiefe der Trauer und die Schwierigkeit des Abschiednehmens verdeutlicht. In der zweiten Strophe wird die physische Distanz und die emotionale Kälte, die der Abschied mit sich bringt, betont. Die einst süße Liebe erscheint nun als "kalter Kuss" und "matt gedrückte Hand", was den Verlust der Intimität und Wärme symbolisiert. Der Vergleich mit einem "leicht gestohlenen Mäulchen" und einem Veilchen, das im März gepflückt wurde, ruft die Erinnerung an die einstige Leichtigkeit und Freude der Liebe wach, die nun verblasst ist. Die letzte Strophe verdeutlicht den Kontrast zwischen der Frische des Frühlings, der die junge Geliebte umgibt, und dem Herbst, der den Sprecher erfasst hat. Während die Geliebte noch in der Blüte ihrer Jugend und Liebe steht, erlebt der Sprecher den Verfall und die Endlichkeit seiner eigenen Gefühle. Der Abschied markiert somit nicht nur das Ende einer Beziehung, sondern auch einen Wendepunkt im Leben des Sprechers, der nun in eine melancholische Phase eintritt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
- Kontrast
- Frühling ist es, liebes Fränzchen, Aber leider Herbst für mich!
- Metapher
- Laß mein Aug den Abschied sagen, Den mein Mund nicht nehmen kann!
- Personifikation
- Traurig wird in dieser Stunde Selbst der Liebe süßtes Pfand
- Vergleich
- So erfreuet uns ein Veilchen, Das man früh im März gepflückt.