Der Abend
1910Versunken ist der Tag in Purpurrot, Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte. Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.
Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren. Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.
Das Dunkel ist im Osten ausgegossen, Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne. Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen, Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Abend" von Georg Heym beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht in einer poetischen und bilderreichen Sprache. Die Stimmung ist melancholisch und zugleich faszinierend, da die Natur in ihren Farben und Klängen dargestellt wird. Das erste Strophenpaar schildert den Sonnenuntergang und den Fluss, der im Abendlicht weiß und glatt erscheint. Ein Segelboot kommt in Sicht, wobei die Silhouette des Schiffers am Steuer hervorgehoben wird. Die Inseln sind mit herbstlichen Wäldern bedeckt, deren rote Blätter in den klaren Raum aufragen. Aus den dunklen Tiefen der Schluchten hallt der Klang des Waldes, der an das Rauschen der Kitharen, einer antiken griechischen Musikinstrument, erinnert. Im zweiten Strophenpaar wird die Dunkelheit im Osten mit blauem Wein verglichen, der aus einer umgestürzten Urne fließt. Die Nacht selbst wird als eine hohe Gestalt dargestellt, die von einem schwarzen Mantel umflossen ist und auf einem schattigen Kothurne steht. Dies verleiht der Szene eine fast mythische Dimension und unterstreicht die Schönheit und das Geheimnis der Abendstimmung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot
- Metapher
- Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne
- Personifikation
- Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte
- Vergleich
- Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne