Den Zukunftschwärmern

Betty Paoli

1814

Ein neues Leben, meint ihr, wird beginnen, Wenn vor dem Licht, das eifrig ihr entfachtet, Der Wahn, von dem die Welt jetzt noch umnachtet, Wie Nebel vor der Sonne wird zerrinnen?

»Weht einst der Freiheit Banner von den Zinnen, »Wird Jeder einst dem Andern gleich geachtet, »Dann flieht der Schmerz, in dem die Menschheit schmachtet, »Flieht alle Qual und alle Noth von hinnen.«

Vermeßt euch nicht zu viel! Ob, muthgeschwellt, Im Kampfe wider Pfaffen und Tyrannen, Ihr einst die letzte ihrer Burgen fällt:

Der Schmerz, er flieht darum doch nicht von dannen, Es wäre denn ihr könntet aus der Welt Der Leidenschaft Dämonen auch verbannen.

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Interpretation

Das Gedicht "Den Zukunftschwärmern" von Betty Paoli kritisiert die idealistischen Vorstellungen von einer perfekten Zukunft. Die Dichterin hinterfragt die Annahme, dass ein neues Leben beginnen wird, sobald der derzeitige Wahn, der die Welt verdunkelt, wie Nebel vor der Sonne verschwindet. Sie stellt die Frage, ob die Freiheit, die von den Zinnen weht, und die Gleichheit aller Menschen wirklich dazu führen werden, dass Schmerz, Qual und Not aus der Welt verschwinden. Die Dichterin warnt die Zukunftsschwärmer davor, sich zu viel zuzumuten. Sie deutet an, dass selbst wenn sie im Kampf gegen Priester und Tyrannen die letzte ihrer Burgen stürzen, der Schmerz nicht von dannen fliehen wird. Die Dichterin impliziert, dass die menschliche Natur und die Leidenschaften, die sie als Dämonen bezeichnet, nicht so einfach aus der Welt zu verbannen sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Betty Paoli in diesem Gedicht eine skeptische Haltung gegenüber utopischen Vorstellungen einnimmt. Sie deutet an, dass selbst wenn äußere Unterdrückung überwunden wird, die inneren Dämonen der menschlichen Natur bestehen bleiben und somit der Schmerz und die Not nicht vollständig aus der Welt geschafft werden können. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Grenzen des menschlichen Fortschritts und die Unveränderlichkeit bestimmter Aspekte der menschlichen Existenz an.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Flieht der Schmerz, in dem die Menschheit schmachtet, / Flieht alle Qual und alle Noth von hinnen
Anapher
Flieht der Schmerz, in dem die Menschheit schmachtet, / Flieht alle Qual und alle Noth von hinnen
Bildliche Sprache
Der Schmerz, er flieht darum doch nicht von dannen
Hyperbel
Ob, muthgeschwellt, / Im Kampfe wider Pfaffen und Tyrannen, / Ihr einst die letzte ihrer Burgen fällt
Ironie
Vermeßt euch nicht zu viel!
Kontrast
Ein neues Leben, meint ihr, wird beginnen, / Wenn vor dem Licht, das eifrig ihr entfachtet, / Der Wahn, von dem die Welt jetzt noch umnachtet, / Wie Nebel vor der Sonne wird zerrinnen?
Metapher
Der Wahn, von dem die Welt jetzt noch umnachtet, / Wie Nebel vor der Sonne wird zerrinnen
Personifikation
Weht einst der Freiheit Banner von den Zinnen
Rhetorische Frage
Ein neues Leben, meint ihr, wird beginnen, / Wenn vor dem Licht, das eifrig ihr entfachtet, / Der Wahn, von dem die Welt jetzt noch umnachtet, / Wie Nebel vor der Sonne wird zerrinnen?
Symbolik
Weht einst der Freiheit Banner von den Zinnen