Den weinenden Philosophen

Hanns von Gumppenberg

1866

Ach, was macht ihr Bängerlinge Vor der Zeit euch miserabel? Wohl, wir sind nur Engerlinge Für den großen Rabenschnabel:

Doch was ist, das kann genieren Nur, solang’ wir’s nicht vergessen - Was uns frißt, vom Ignorieren Wird es selber aufgefressen!

Hunderttausend Flammenstunden Führen hunderttausend Schnäbel: Und der Rabe ist verschwunden Wesenlos im Feuernebel.

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Illustration zu Den weinenden Philosophen

Interpretation

Das Gedicht "Den weinenden Philosophen" von Hanns von Gumppenberg thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Unvermeidlichkeit des Todes. Es beginnt mit einer rhetorischen Frage, die die "Bängerlinge" anspricht, die sich vor dem Unvermeidlichen fürchten. Der Sprecher relativiert diese Angst, indem er darauf hinweist, dass wir alle nur "Engerlinge" sind, die dem "großen Rabenschnabel" – einem Symbol für den Tod – ausgeliefert sind. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Idee der Akzeptanz und des Vergessens als Mittel zur Überwindung der Angst vor dem Tod präsentiert. Der Sprecher suggeriert, dass das, was uns "frißt" oder beunruhigt, durch das Ignorieren oder Vergessen selbst "aufgefressen" wird. Dies impliziert eine Art psychologischer Bewältigungsstrategie, bei der die Konfrontation mit dem Tod durch Verdrängung gemildert wird. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt einen Prozess der Transformation und Auflösung. Die "hunderttausend Flammenstunden" und "hunderttausend Schnäbel" symbolisieren die Vielzahl der Erfahrungen und des Lebens, die schließlich in einem "Feuernebel" enden. Der Rabe, als Symbol des Todes, verschwindet in diesem Nebel und wird "wesenlos". Dies könnte als eine Art Auflösung oder Transzendenz des Todes interpretiert werden, bei der die Furcht vor dem Tod selbst vergeht und in etwas Unbestimmtes übergeht.

Schlüsselwörter

hunderttausend macht bängerlinge zeit miserabel engerlinge großen rabenschnabel

Wortwolke

Wortwolke zu Den weinenden Philosophen

Stilmittel

Alliteration
Tausend Flammenstunden Führen hunderttausend Schnäbel
Hyperbel
Hunderttausend Flammenstunden
Kontrast
Und der Rabe ist verschwunden Wesenlos im Feuernebel
Metapher
Wir sind nur Engerlinge Für den großen Rabenschnabel
Personifikation
Was uns frißt, vom Ignorieren Wird es selber aufgefressen
Symbolik
Hunderttausend Flammenstunden