Den Unruhvollen

Hanns von Gumppenberg

1928

Ich lasse von euch mich nicht niederziehen Ins Chaos blutsaugender Sorgen und Schmerzen - Ihr sollt mir nicht wirren die Harmonieen, Und wärt ihr die nächsten an meinem Herzen!

Ich hab′ sie errungen in Ängsten und Qualen, Dagegen die euern gelind und geringe: Und als ich mich hob zu den silbernen Strahlen, Da schüttelt′ ich Höllengeflamm von der Schwinge.

Ich lasse von euch mich nicht niederzwingen, Und ob ihr mich zehnfach verkennt als Kalten - Ich weiß, was heißt es, zur Höhe sich ringen, Und heiter hier oben mich will ich erhalten!

Wie könnt′ ich euch helfen durch Niedersteigen? Auch ihr müßt das Feindliche selbst überwinden: Und soll ich euch nützen, so lasset mich zeigen Durch all meine Ruhe, daß Ruh′ ist zu finden.

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Illustration zu Den Unruhvollen

Interpretation

Das Gedicht "Den Unruhvollen" von Hanns von Gumppenberg ist ein kraftvolles Plädoyer für die Bewahrung der inneren Harmonie und den Mut, sich von den Sorgen und Schmerzen der Welt nicht niederziehen zu lassen. Der Sprecher betont, dass er sich von den "blutsaugenden Sorgen und Schmerzen" nicht in das Chaos ziehen lassen wird, selbst wenn die Betroffenen ihm am nächsten stehen. In den folgenden Strophen verdeutlicht der Sprecher, dass er seine Harmonie in Ängsten und Qualen erkämpft hat, und dass diese Errungenschaft ihm heilig ist. Er vergleicht seine innere Stärke mit dem Aufstieg zu den "silbernen Strahlen", wobei er die "Höllengeflamm" von sich abschüttelt. Der Sprecher betont, dass er sich nicht niederzwingen lassen wird, auch wenn er von anderen als kalt wahrgenommen wird. Er weiß um die Bedeutung des Ringens um die Höhe und möchte sich seine heitere Haltung bewahren. Im letzten Vers des Gedichts stellt der Sprecher die Frage, wie er anderen helfen könne, wenn er selbst in ihr Chaos hinabsteigt. Er betont, dass jeder das Feindliche selbst überwinden muss und dass er nur nützlich sein kann, wenn er durch seine Ruhe zeigt, dass Ruhe zu finden ist. Das Gedicht endet mit einem Appell an die "Unruhvollen", sich von der inneren Harmonie des Sprechers inspirieren zu lassen und selbst nach Ruhe zu streben.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und soll ich euch nützen, so lasset mich zeigen Durch all meine Ruhe, daß Ruh′ ist zu finden
Personifikation
Und wärt ihr die nächsten an meinem Herzen