Den Pessimisten
1874Solang uns Liebe lockt mit Lust und Plagen, Solang Begeist´rung wechselt und Verzagen, Solange wird auf Erden nicht die Zeit, Die schreckliche, die dichterlose tagen: Solang in tausend Formen Schönheit blüht, Schlägt auch ein Herz, zu singen und zu sagen, Solang das Leid, das ew´ge uns umflicht, Solang werden wir´s in Tönen klagen, Und es erlischt erst dann der letzte Traum, Wenn er das letzte Herz zu Gott getragen!
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Interpretation
Das Gedicht "Den Pessimisten" von Hugo von Hofmannsthal ist eine leidenschaftliche Verteidigung der Schönheit und des künstlerischen Ausdrucks gegen die pessimistische Weltsicht. Der Autor argumentiert, dass solange Liebe, Begeisterung und Schönheit existieren, die Welt nicht von einer "dichterlosen Zeit" heimgesucht wird. Er betont die ewige Natur von Schönheit und Leid, die beide als Inspirationsquellen für Kunst und Dichtung dienen. Der Dichter verwendet eine Reihe von Bedingungen, um seine Argumentation zu stützen. Er beginnt mit der Liebe, die sowohl Lust als auch Plagen mit sich bringt, und setzt fort mit der wechselnden Natur der Begeisterung und des Verzagens. Diese emotionalen Zustände sind für den Dichter von zentraler Bedeutung, da sie den kreativen Prozess antreiben. Die Erwähnung der "tausend Formen" der Schönheit unterstreicht die Vielfalt und Unendlichkeit der ästhetischen Erfahrungen, die den Menschen umgeben. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich Hofmannsthal dem Leid zu, das er als "ewig" bezeichnet. Er argumentiert, dass solange Leid existiert, es in "Tönen" geklagt werden wird, was auf die Kraft der Musik und Poesie hinweist, menschliches Leid auszudrücken und zu verarbeiten. Das Gedicht endet mit einer fast religiösen Note, indem es suggeriert, dass selbst der letzte Traum erst erlischt, wenn er das letzte Herz zu Gott getragen hat. Dies impliziert eine unendliche Kontinuität von Hoffnung und Glauben, die selbst den pessimistischsten Betrachtungen trotzt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- die schreckliche, die dichterlose tagen
- Anapher
- Solang uns Liebe lockt mit Lust und Plagen, Solang Begeist´rung wechselt und Verzagen, Solange wird auf Erden nicht die Zeit
- Hyperbel
- Wenn er das letzte Herz zu Gott getragen
- Parallelismus
- Solang in tausend Formen Schönheit blüht, Schlägt auch ein Herz, zu singen und zu sagen