Den Lichtgenossen
1901Ein Weihnachtslied
Hundert Kerzen trägt die Fichte, Prangt in ihrem Silberlichte Wie ein reicher Märchentraum - So als hundert Seelenflammen Stellt das Schicksal uns zusammen, Lichter uns am Lebensbaum.
Und wir Nachbarn in der Runde Einen uns zum Feuerbunde: Heller strahlt ein heitrer Glanz! Wo der eigne Schimmer endet, Was der andern Glut gespendet, Wohl kein Flämmchen weiß es ganz.
Doch wenn eines tiefer brannte, Schneller seine Kraft versandte, Flackernd in die Nacht verging: Merkt ein jedes von uns Frohen, Die noch ruhig weiterlohen, Was es Licht von ihm empfing!
Einmal dann im Dämmerraume Am verödet düstern Baume Brennt ein letztes noch allein, Von sich selber nur zu zehren In dem Dunkel, in dem leeren - Mög′ nicht ich dies letzte sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Den Lichtgenossen" von Hanns von Gumppenberg ist ein Weihnachtslied, das die Verbundenheit und das Schicksal der Menschen in einer winterlichen Atmosphäre beschreibt. Die Fichte mit ihren hundert Kerzen symbolisiert einen reichen Märchentraum und stellt die Menschen als Seelenflammen dar, die vom Schicksal am Lebensbaum zusammengeführt werden. Dieses Bild vermittelt die Idee einer gemeinsamen Bestimmung und der Verbundenheit der Menschen in ihrem Lebensweg. Die Nachbarn in der Runde schließen sich zu einem Feuerbund zusammen, was die Stärkung und den gemeinsamen Glanz ihrer Lichter symbolisiert. Die individuellen Lichter verschmelzen zu einem hellen, heiteren Glanz, wobei unklar bleibt, wie weit die Wirkung der eigenen Glut reicht. Dies deutet darauf hin, dass die Menschen durch ihre Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung stärker werden, auch wenn sie nicht immer die volle Auswirkung ihres Handelns erkennen. Das Gedicht beschreibt auch die Vergänglichkeit und den Verlust einzelner Lichter, die tiefer brennen und schneller ihre Kraft verlieren. Die verbleibenden Lichter bemerken, was sie von dem verlöschenden Licht empfangen haben, was die Dankbarkeit und das Bewusstsein für die Beiträge jedes Einzelnen verdeutlicht. Am Ende des Gedichts steht die Hoffnung, nicht das letzte Licht zu sein, das einsam und verlassen am dunklen Baum brennt, was die Angst vor Isolation und dem Alleinsein in der Dunkelheit ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Von sich selber nur zu zehren In dem Dunkel, in dem leeren
- Hyperbel
- Hundert Kerzen trägt die Fichte
- Kontrast
- Doch wenn eines tiefer brannte, Schneller seine Kraft versandte
- Metapher
- Einmal dann im Dämmerraume Am verödet düstern Baume Brennt ein letztes noch allein
- Personifikation
- Wo der eigne Schimmer endet, Was der andern Glut gespendet
- Symbolik
- Lichter uns am Lebensbaum