Den Fürsten
1866Die Krone wankt, der Purpurmantel sinkt — Ein Sturm der Freiheit noch — und beide fallen, Des neuen Tages neue Sonne blinkt, Des neuen Frühlings neue Lieder schallen.
Und wie ihr krampfhaft auch mit starrem Arm Die Krone haltet und des Purpurs Hülle, Die Frühlingslüfte wehen allzu warm, Als daß sich nicht der Menschheit Glück erfülle.
Viel tausend Herzen schlagen allzu laut, Als daß ihr länger noch vermögt zu träumen Im Arme eurer sündenvollen Braut, — Im Arm der Willkür — langer könntet säumen.
Die Zeit ist um, die blinde, trübe Zeit, In der ihr herrschtet von geweihtem Throne, In der die Menschheit in Ergebenheit Die Ketten trug zu jammervollem Frohne.
Es kam der Tag, an dem der Geist erkannt, Daß er zu lange schon die Last getragen, In deren Druck des Kornes Flamm entbrannt, Deß Feuerarme nun den Thron umschlagen.
Die Stunde schlug, in der nach langer Schmach Die Menschheit ihre Würde will erkennen, Das neue Licht, wenn auch noch klein und schwach, Wird bald in tausend Jubelflammen brennen! —
Werft hin die Krone, schleudert sie vom Haupt! Sie ist aus Gold, dem Volke abgezwungen, Und eine Stirn, mit Blättergrün umlaubt, Ist schöner als von Sündengold umschlungen.
Den Purpur auch — legt ihn auf ewig ab. Er ist so rot von heißem Völkerblute — Ein Bürgerkleid, ein grüner Wanderstab Ist besser wol als Blutgewand und Knute.
Noch habt ihr Frist! Noch könnt ihr still und mild Den heißen Kampf der freien Kraft versöhnen, Noch könnt ihr schauen unsres Glückes Bild, Und mit der Völker Dank das Haupt euch krönen.
Es steht bei euch, mit eines Wortes Klang Dem Schmerz der Menschheit Linderung zu bringen, So wie uns eurer Blindheit alter Zwang Entflammen wird, das Schwert zum Kampf zu schwingen.
Es steht bei euch, wenn ihr uns Liebe sät, Euch zu verklären in der Liebe Flammen- So wie es auch bei euch, o Fürsten, steht, Ob euch die Nachwelt suchend wird verdammen!
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Interpretation
Das Gedicht "Den Fürsten" von Hermann Rollett ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit und Demokratie. Es thematisiert den Untergang des absolutistischen Herrschaftssystems und den Aufstieg des Volkes zur Selbstbestimmung. Rollett verwendet starke Bilder und Metaphern, um die Ungerechtigkeit und Unterdrückung des alten Systems zu verdeutlichen und den Wunsch nach Veränderung zu wecken. Das Gedicht beginnt mit der Darstellung des bevorstehenden Untergangs der Monarchie. Die Krone und der Purpurmantel, Symbole der königlichen Macht, werden als wackelig und zum Fallen bereit beschrieben. Gleichzeitig wird die Ankunft einer neuen Zeit des Frühlings und der Freiheit angekündigt, die von neuen Liedern und einem neuen Tag begleitet wird. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Unmenschlichkeit des absolutistischen Systems deutlich. Die Menschen werden als unterdrückt und gefangen in den Fesseln der Willkür dargestellt. Die Zeit der Herrschaft von einem geweihten Thron aus wird als blinde und trübe Zeit beschrieben, in der die Menschheit in Ergebenheit die Ketten trug. Das Gedicht endet mit einem Aufruf an die Fürsten, die Krone und den Purpur abzulegen und sich dem Volk anzuschließen. Es wird betont, dass es noch eine Chance für die Fürsten gibt, den Frieden zu wahren und sich das Wohlwollen des Volkes zu sichern. Gleichzeitig wird aber auch deutlich gemacht, dass das Volk bereit ist, für seine Freiheit zu kämpfen, wenn es dazu gezwungen wird.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Ob euch die Nachwelt suchend wird verdammen
- Personifikation
- Die Frühlingslüfte wehen allzu warm