Den Frauen

Herbert Eulenberg

1876

Wahr ist’s, die Liebe wechselt ihre Farben, Kornblumen werden weiß im Wasserglas. Man misst die Stunden nicht mit gleichem Maß, Erinnerung macht schöner die, die starben.

Und anders ist es uns am Tag der Garben, als da wir säten - wer das je vergaß, ist unwert, dass er je ein Weib besaß! - Das Antlitz bleibt nicht stehn, das wir umwarben.

Doch noch der letzte Rest ist voller Wonne, weint nicht, ihr Frauen, haltet gierig fest, was jemals zu euch sprach: Ich liebe dich!

Und spendet nicht den Kindern alle Sonne, sie lassen bald euch einsam in dem Nest, aus dem die Liebe heimlich schon entwich.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Den Frauen

Interpretation

Das Gedicht "Den Frauen" von Herbert Eulenberg handelt von der Vergänglichkeit der Liebe und den Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit durchläuft. Die Liebe wird als etwas Vergängliches dargestellt, das sich wandelt und nicht ewig gleich bleibt. Der Dichter verwendet dabei Metaphern wie die Kornblumen im Wasserglas, die ihre Farbe verlieren, um diesen Prozess zu verdeutlichen. Eulenberg betont, dass die Erinnerung an verstorbene Geliebte oft idealisiert wird und diese dadurch in unseren Gedanken schöner erscheinen als sie vielleicht in Wirklichkeit waren. Er weist darauf hin, dass sich die Liebe im Laufe der Zeit verändert und dass das Gesicht des Geliebten nicht mehr dasselbe ist wie zu Beginn der Beziehung. Dennoch findet er auch positive Aspekte in dieser Veränderlichkeit und ermutigt die Frauen, den verbleibenden Rest an Liebe zu genießen und festzuhalten. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Frauen, ihre Liebe nicht ausschließlich auf die Kinder zu konzentrieren, da diese eines Tages das Elternhaus verlassen werden. Eulenberg warnt davor, dass die Liebe heimlich bereits entwichen sein könnte, wenn man sich dann einsam im leeren Nest wiederfindet. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit der Liebe und die Notwendigkeit an, sie im Hier und Jetzt zu schätzen und zu pflegen.

Schlüsselwörter

liebe wahr wechselt farben kornblumen weiß wasserglas misst

Wortwolke

Wortwolke zu Den Frauen

Stilmittel

Alliteration
weint nicht, ihr Frauen
Anapher
Und spendet nicht den Kindern alle Sonne, sie lassen bald euch einsam in dem Nest
Bildlichkeit
Das Antlitz bleibt nicht stehn, das wir umwarben
Hyperbel
ist unwert, dass er je ein Weib besaß
Kontrast
Und anders ist es uns am Tag der Garben, als da wir säten
Metapher
Kornblumen werden weiß im Wasserglas
Personifikation
Erinnerung macht schöner die, die starben
Symbolik
aus dem die Liebe heimlich schon entwich
Vergleich
Man misst die Stunden nicht mit gleichem Maß