Dembinski

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Blauer Niemen, blauer Niemen, Wie viel Blut hast du getrunken, Blut wie vieler edlen Polen, Die an dir dahingesunken!

An dein Ufer wankt Dembinski, Auf der Brust die Sterbewunde; Trauernd um den Feldherrn drängen Sich die Krieger in der Runde.

»Legt mich nieder! Nicht erreich′ ich Mehr den Jenseitstrand, ihr Lieben; Doch das eine laßt mich wissen, Ob er unser noch geblieben!«

Und dem Winke folgen drei; An den Fluß dahingetreten, Blasen sie das Lied der Polen Auf den rostigen Drommeten.

Stille dann, und alle lauschen, Lauschen bang, - zu ihren Ohren, Horch! von drüben schallt es da: »Noch ist Polen nicht verloren!«

Freudeweinend liegen alle Sich in Armen fest umschlungen; Aufgerichtet steht der Feldherr, Bis das teure Lied verklungen.

Dann zur Erde sinkt er nieder: »O, nun mag mein Herzblut fließen! Nun ich diesen Klang vernommen, Will ich gern die Augen schließen.«

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Illustration zu Dembinski

Interpretation

Das Gedicht "Dembinski" von Adolf Friedrich Graf von Schack schildert die dramatische Szene um den sterbenden polnischen Feldherrn Dembinski am Ufer des blauen Niemen. Das Gedicht beginnt mit einer Klage über das Blut, das der Fluss aufgenommen hat, und führt den Leser zu Dembinski, der schwer verwundet am Ufer liegt. Die trauernden Krieger umringen ihn, und Dembinski bittet darum, niedergelegt zu werden, da er den gegenüberliegenden Flussufer nicht mehr erreichen kann. Sein letzter Wunsch ist es, zu erfahren, ob Polen noch steht. Die Krieger blasen daraufhin auf rostigen Drommeten das polnische Lied, und eine gespannte Stille breitet sich aus. Die Antwort kommt von jenseits des Flusses: "Noch ist Polen nicht verloren!" Diese Nachricht löst bei den Anwesenden eine Mischung aus Freude und Trauer aus. Sie fallen sich in die Arme, während Dembinski aufgerichtet steht, bis das Lied verklungen ist. Erst dann lässt er sich zur Erde sinken, bereit, seine Augen zu schließen, nachdem er die ersehnte Nachricht vernommen hat. Das Gedicht thematisiert die Opferbereitschaft und den unerschütterlichen polnischen Nationalstolz im Angesicht der Niederlage. Dembinski symbolisiert den Helden, der bis zum letzten Atemzug um sein Vaterland besorgt ist. Die Antwort vom anderen Flussufer steht für die Hoffnung und den ungebrochenen Geist der polnischen Nation, die trotz aller Widrigkeiten weiterlebt. Das Lied der Polen dient als verbindendes Element zwischen den Kämpfenden und als Ausdruck ihrer gemeinsamen Identität und ihres Kampfes um die Unabhängigkeit.

Schlüsselwörter

polen blauer niemen blut nieder lied alle lauschen

Wortwolke

Wortwolke zu Dembinski

Stilmittel

Alliteration
Sterbewunde; Trauernd um den Feldherrn
Allusion
Das Lied der Polen
Anapher
Blauer Niemen, blauer Niemen
Apostrophe
Blauer Niemen, blauer Niemen
Assonanz
Brüst die Sterbewunde
Bildsprache
Aufgerichtet steht der Feldherr
Dramatik
Dann zur Erde sinkt er nieder
Enjambement
Bis das teure Lied verklungen.
Hyperbel
Wie vieler edlen Polen
Ironie
Freudeweinend liegen alle
Kontrast
Stille dann, und alle lauschen
Metapher
Wie viel Blut hast du getrunken
Metonymie
Feldherr
Oxymoron
Freudeweinend
Pathos
Noch ist Polen nicht verloren
Personifikation
Blauer Niemen
Symbol
Herzblut fließen
Symbolik
Niemen als Symbol für den Verlust und das Blutvergießen
Synästhesie
Klang vernommen
Wiederholung
Blauer Niemen