Dem Könige von Preußenzum Kölner Dombaufest, 1842

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1842

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Robert Eduard Prutz

Dem Könige von Preußen zum Kölner Dombaufest, 1842

Mit Festgeläut, Standarten, Ehrenbogen, den König grüßt der königliche Rhein, wie glänzt der Strom, wie drängen sich die Wogen! Wie schaun die Ufer stolz und froh darein! Die Freude jauchzt aus tausend muntern Kehlen, und donnernd trägt der Widerhall sie fort; doch darf zum Guten nicht das Beste fehlen: das ist, o Herr, ein freies Wort!

Du kommst, o Fürst, zum Kölner Dombaufeste, mit eigner Hand den zweiten Grund zu weihn; sie rührten dich, der Vorzeit edle Reste, laut sprach zu dir das bröckelnde Gestein. Ein Wink von dir -, und die Gerüste steigen, sich widerspiegelnd in dem goldnen Strom, und was sich auch für Wetterwolken zeigen, fortbaun willst du den Kölner Dom.

Fortbaun, fürwahr! Da hast du es getroffen, das ist der Klang, der unserm Ohr gefällt, das ist es, das, was deine Völker hoffen, das ist die Losung der verjüngten Welt! Nicht Dome bloß, nicht Burgen und Paläste, Bau fort, o Herr, an einem andern Haus, bau fort, bau fort an einer andern Veste: Den Dom der Freiheit, bau ihn aus!

Fortbaun allein, fortbauen heißt Erhalten! Dieselbe Huld, die du dem Dom beschert, o laß sie auch im Vaterlande walten, auch dies, fürwahr, ist einen Grundstein wert. Dem Dome gleich, halb fertig, halb Ruine, erwartungsvoll steht unser teures Land: Es schaut dich an, es fleht mit stummer Miene - Auch ihm, auch ihm ein Wink der Hand!

Warum nicht ihm? Warum nur Steine tragen, nur Heil’ge meißeln, Wölbungen erbaun? Kein Herz wird dir in diesen Mauern schlagen, kein Auge wird aus diesen Säulen schaun. Dort aber kannst du Herzen dir entzünden, zum Tempel dort kannst du ein Volk dir weihn - O lockt’s dich nicht, den Tempel auch zu gründen, Bauherr der Freiheit auch zu sein?

Dem Krane gleich dort auf des Turmes Mauer, der regungslos manch ein Jahrhundert stand, so steht die Presse - steht in stummer Trauer, weil sie noch nicht die volle Freiheit fand. O laß auch sie, auch sie sich neu bewegen, wie du den Kran sich neu bewegen heißt, und wonnevoll, der ganzen Welt zum Segen, grüßt: Protectori! dich der Geist. -

Herr, zürne nicht! Wir wissen, was wir wollen, und daß wir’s frei bekennen, das ist Pflicht. Sieh, die Geschichte drängt! Die Räder rollen! Und wollt’ es Gott, Gott selber hielt’ sie nicht! Gib frei den Weg! Denn Freiheit ist das beste, du baust mit ihr zugleich den eignen Thron: So sprich das Wort zum zweiten Dombaufeste, sprich aus das Wort: Konstitution!

Das ist der Bau, zu welchem du berufen, auf diesen Säulen gründe sich dein Ruhm! Hier knie du mit uns auf denselben Stufen: denn auch die Freiheit ist ein Heiligtum. Paläste fallen, Dome können brechen, die Freiheit nur währt ewig, ewig fort, und ewig dann zu deinem Ruhm wir sprechen, das heut dich grüßt, das freie Wort!

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Illustration zu Dem Könige von Preußenzum Kölner Dombaufest, 1842

Interpretation

Das Gedicht "Dem Könige von Preußen zum Kölner Dombaufest, 1842" von Robert Eduard Prutz ist eine poetische Ode an den preußischen König, die anlässlich des Dombaufestes in Köln verfasst wurde. Es thematisiert die Bedeutung von Freiheit und Fortschritt und fordert den König auf, diese Werte auch in seinem Reich zu fördern. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der festlichen Atmosphäre am Rhein, wo der König mit Jubel und Ehrenbögen empfangen wird. Es betont die Freude und den Enthusiasmus der Menschen, die sich versammelt haben, um den König zu begrüßen. Doch der Dichter mahnt, dass es neben der Freude auch wichtig ist, ein "freies Wort" zu haben, das den Fortschritt und die Freiheit symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird der König aufgefordert, nicht nur den Kölner Dom weiterzubauen, sondern auch an einem anderen "Dom" zu arbeiten - dem "Dom der Freiheit". Der Dichter fordert den König auf, die Freiheit im ganzen Land zu fördern und den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung frei zu äußern. Er vergleicht die Presse mit einem Kran, der regungslos steht und sich nach Freiheit sehnt. Im letzten Teil des Gedichts appelliert der Dichter erneut an den König, die Freiheit als höchstes Gut anzusehen und den Weg für Fortschritt und Veränderung freizugeben. Er fordert den König auf, das Wort "Konstitution" auszusprechen und somit den Grundstein für eine freiheitliche Verfassung zu legen. Das Gedicht endet mit der Betonung, dass die Freiheit ewig währt und dem Ruhm des Königs zugutekommen wird.

Schlüsselwörter

freiheit fort bau wort kölner grüßt herr fortbaun

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Stilmittel

Metapher
Die Freiheit wird als etwas beschrieben, das den Thron des Königs mit aufbaut.
Personifikation
Die Freude jauchzt aus tausend muntern Kehlen, und der Widerhall trägt sie fort.