Dem Hohen
1877Weltatmender, der du Geister, Urfunken der Liebe, Mit dem Brandmal der Geburt In Leiber schließest Und schleuderst fort den Schlüssel. Und so finden sie sich Und du fühlst sie Und schwellend, voll brausender Güte, Zieht deiner Welle göttliche Flut Schwellend entgegen Mit ganzer Seele dir Zudürstendem… Oder sie verlieren die einsamen Schritte Und du wirst kalt mit ihnen Kalt wie das, was nicht du… Überwonniger, Freiheiteingeborener; Jedwed′ Lob verhöhnt deine ragende Fülle! Denn es begrenzt die ewigen Glieder Der stehenden Tiefe, der steigenden Geister, Der fallenden; Wärmende Werke hegen Im quellenden Schoße der Seele, Das weckt dein Leben! Gnadenquillend erwachend Stürzt auf uns ein Höhenwärts wirbelnder Segen. Wie sollen wir zählen All deine ragenden Wipfel? An allem lebst du empor! Wie sollen dich wir halten? Fassen wir dieses: Entschwebt nachlachend uns andres. Was sollen wir glauben? Da unser Auge und Antlitz schon lügen! Was sollen wir forschen?
Dein Wille geschehe… Wir wollen nur lieben wie du. Dann lieben wir dich.
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Interpretation
Das Gedicht "Dem Hohen" von Peter Hille thematisiert die Beziehung zwischen dem Göttlichen und den menschlichen Seelen. Der Dichter spricht von einer höheren Macht, die Geister und Funken der Liebe in Körper einschließt und ihnen den Schlüssel zum Verständnis vorenthält. Diese Macht fühlt die Seelen und lässt sie sich finden, wobei sie mit göttlicher Güte und Flut auf sie zuströmt. Doch wenn die Seelen ihre einsamen Schritte verlieren, wird auch das Göttliche kalt und distanziert. Das Gedicht beschreibt die höhere Macht als überwonnig und freiheitsgeboren, deren Lob und Anerkennung verhöhnt werden, da sie die ewigen Glieder der stehenden Tiefe, der steigenden und fallenden Geister begrenzt. Wärmende Werke und Gnadenquellen erwachen im Schoß der Seele und stürzen als wirbelnder Segen auf die Menschen ein. Die unermessliche Fülle und die unzähligen Wipfel dieser Macht sind kaum zu zählen oder zu halten, da sie ständig entflieht und lachend davonzieht. Am Ende des Gedichts stellt sich die Frage nach Glauben und Forschen, da das menschliche Auge und Antlitz bereits lügen. Der Dichter schlägt vor, den Willen der höheren Macht geschehen zu lassen und nur zu lieben wie sie, um sie zu lieben. Das Gedicht ist eine Hommage an die göttliche Macht und eine Reflexion über die menschliche Suche nach Sinn und Verbindung mit dem Transzendenten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wärmende Werke hegen
- Anapher
- Was sollen wir glauben? Da unser Auge und Antlitz schon lügen! Was sollen wir forschen?
- Apostrophe
- Oder sie verlieren die einsamen Schritte Und du wirst kalt mit ihnen
- Hyperbel
- Wie sollen wir zählen All deine ragenden Wipfel?
- Metapher
- Zieht deiner Welle göttliche Flut Schwellend entgegen
- Paradox
- Kalt wie das, was nicht du
- Parallelismus
- Der stehenden Tiefe, der steigenden Geister, Der fallenden;
- Personifikation
- Weltatmender, der du Geister, Urfunken der Liebe, Mit dem Brandmal der Geburt In Leiber schließest
- Rhetorische Frage
- Wie sollen wir zählen All deine ragenden Wipfel?
- Symbolik
- Höhenwärts wirbelnder Segen