Dem Erbprinzen von Weimar
1805So bringet denn die letzte volle Schale Dem lieben Wandrer dar, Der Abschied nimmt von diesem stillen Tale, Das seine Wiege war.
Er reißt sich aus den väterlichen Hallen, Aus leiben Armen los, Nach jener stolzen Bürgerstadt zu wallen, Vom Raub der Länder groß.
Die Zwietracht flieht, die Donnerstürme schweigen, Gefesselt ist der Krieg, Und in den Krater darf man niedersteigen, Aus dem die Lava stieg.
Dich führe durch das wild bewegte Leben Ein gnädiges Geschick, Ein reines Herz hat dir Natur gegeben, O bring′ es rein zurück!
Die Länder wirst du sehen, die das wilde Gespann des Kriegs zertrat; Doch lächelnd grüßt der Friede die Gefilde Und streut die goldne Saat.
Den alten Vater Rhein wirst du begrüßen, Der deines großen Ahns Gedenken wird, so lang sein Storm wird fließen Ins Bett des Ozeans.
Dort huldige des Helden großen Mauen Und opfere dem Rhein, Dem alten Grenzenhüter der Germanen, Von seinem eignen Wein,
Dass dich der vaterländ′sche Geist begleite, Wenn dich das schwanke Brett Hinüberträgt auf jene linke Seite, Wo deutsche Freu vergeht.
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Interpretation
Das Gedicht "Dem Erbprinzen von Weimar" von Friedrich von Schiller ist ein Abschiedsgedicht, das dem Thronfolger eine Reise wünscht. Es beginnt mit einer symbolischen Geste des Abschieds, bei der der Erbprinz aufgefordert wird, eine letzte Schale zu trinken, bevor er das vertraute Tal verlässt, in dem er aufgewachsen ist. Der Text vermittelt eine Mischung aus Wehmut und Stolz, da der Prinz sich von seiner Heimat und seinen Eltern löst, um in die Welt hinauszuziehen. Das Gedicht beschreibt die Reise des Prinzen als eine Reise durch ein Land, das vom Krieg gezeichnet ist, aber nun Frieden und Wohlstand erlebt. Schiller betont die Bedeutung von Frieden und Harmonie, die nach den Konflikten Einzug gehalten haben. Der Dichter fordert den Prinzen auf, ein reines Herz zu bewahren und es unverdorben zurückzubringen, was auf die moralische Integrität und den Charakter des Prinzen abzielt. Schiller erwähnt spezifische Orte wie den Rhein und das Bett des Ozeans, die als Symbole für die deutsche Identität und Geschichte stehen. Der Dichter ermutigt den Prinzen, den Heldenmut und die Größe seiner Vorfahren zu ehren und dem Rhein, dem Hüter der deutschen Grenzen, zu huldigen. Das Gedicht schließt mit einem Wunsch für den sicheren Übergang des Prinzen über den Rhein, wobei der Dichter die Hoffnung ausdrückt, dass der patriotische Geist den Prinzen auf seiner Reise begleiten wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stolzen Bürgerstadt zu wallen
- Anspielung
- Den alten Vater Rhein wirst du begrüßen, Der deines großen Ahns Gedenken wird
- Apostrophe
- Dem Erbprinzen von Weimar
- Appell
- O bring′ es rein zurück!
- Bildlichkeit
- Und in den Krater darf man niedersteigen, Aus dem die Lava stieg
- Hyperbel
- Vom Raub der Länder groß
- Kontrast
- Die Zwietracht flieht, die Donnerstürme schweigen, Gefesselt ist der Krieg
- Metapher
- Dem lieben Wandrer
- Personifikation
- Die Zwietracht flieht, die Donnerstürme schweigen
- Symbolik
- Der alte Vater Rhein