Dein Sturmlied
1869Brause dein Sturmlied, du! Und lösche meine Feuersbrunst, Denn ich ersticke in Flammendunst. Mann mit den ehernen Zeusaugen, grolle Gewitter, entlade Wolken auf mich. Und wie eine Hochsommererde werde ich aufsehnend die Ströme einsaugen. Brause dein Sturmlied, du!
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Interpretation
Das Gedicht "Dein Sturmlied" von Else Lasker-Schüler ist ein leidenschaftliches und intensives Werk, das die Sehnsucht nach einer tiefgreifenden Veränderung und Erneuerung ausdrückt. Die Sprecherin bittet um einen Sturm, der ihre innere "Feuersbrunst" löscht, was auf eine überwältigende emotionale oder spirituelle Erfahrung hindeutet. Die Metapher des "Flammendunstes" lässt auf eine erstickende Intensität schließen, die durch den Sturm gelindert werden soll. Der "Mann mit den ehernen Zeusaugen" wird als eine mächtige, fast göttliche Figur dargestellt, die das Gewitter und die Wolken befehligt. Die Verwendung von Zeus, dem König der Götter in der griechischen Mythologie, unterstreicht die Stärke und Autorität dieser Person. Die Sprecherin sehnt sich danach, von diesem Sturm "entladen" zu werden, was auf eine kathartische Erfahrung hindeutet, bei der die Lasten und Spannungen abgeworfen werden. Die letzte Strophe vergleicht die Sprecherin mit einer "Hochsommererde", die die Ströme einsaugt. Dieses Bild vermittelt ein Gefühl der Erneuerung und Regeneration, da die Erde nach einem Sturm oft fruchtbarer und lebendiger wird. Die Wiederholung der ersten Zeile am Ende des Gedichts verstärkt den Wunsch nach diesem transformierenden Sturm und schließt den Kreis des Gedichts, indem sie die Intensität und Dringlichkeit des Verlangens der Sprecherin betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Brause dein Sturmlied, du!
- Apostrophe
- Brause dein Sturmlied, du!
- Bildlichkeit
- entlade Wolken auf mich
- Metapher
- wie eine Hochsommererde
- Personifikation
- werde ich aufsehnend die Ströme einsaugen