Dein Mund...

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Dein Mund, vollathmend heiß an meinem Munde - Dein Herz mit hohem Schlag an meins gepreßt, Wie weihst du jede flüchtige Sekunde Des Tages mir zum Liebesfest!

Und dann die heil′gen, wonnemüden Nächte, Das Schwelgen Arm in Arm und Brust an Brust! Mißgönnen nicht dem sterblichen Geschlechte Die Götter solche Himmelslust?

Ja, denk′ ich Alles, was du mir gegeben Und noch mir giebst, so fürcht′ ich ihren Neid; Leicht zuckt ihr Blitzstrahl nieder auf ein Leben, Das allzu voll von Seligkeit.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Dein Mund...

Interpretation

Das Gedicht "Dein Mund..." von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt eine leidenschaftliche und intime Liebesbeziehung, in der der Sprecher die körperliche Nähe und das Glück mit seiner Geliebten zelebriert. Die Verse vermitteln eine Atmosphäre der Hingabe und des Verlangens, wobei der Kuss und die Umarmung als Symbole für die tiefe Verbundenheit und das geteilte Glück stehen. Der Sprecher fühlt sich in diesen Momenten wie bei einem "Liebesfest", das jeden Tag zu etwas Besonderem macht. In der zweiten Strophe wendet sich der Sprecher den Nächten zu, die er mit seiner Geliebten verbringt. Diese Nächte werden als "heilig" und "wonnemüde" beschrieben, was die Intensität und die Erschöpfung nach den gemeinsamen Stunden andeutet. Der Vergleich mit den Göttern und ihrem "Himmelslust" unterstreicht die Idee, dass solche vollkommene Liebe und Zufriedenheit auch den Göttern vorbehalten zu sein scheint. Dennoch wird die Frage gestellt, ob diese Erfahrung nicht auch dem "sterblichen Geschlecht" zusteht. In der letzten Strophe reflektiert der Sprecher über die Fülle des Glücks, das er mit seiner Geliebten erlebt hat und noch erlebt. Dieses überwältigende Glück ruft jedoch auch eine Furcht vor dem Neid der Götter hervor, die das Leben mit einem "Blitzstrahl" beenden könnten. Der Sprecher ist sich bewusst, dass ein Leben, das "allzu voll von Seligkeit" ist, auch gefährdet sein könnte, da es die Aufmerksamkeit höherer Mächte auf sich zieht. Das Gedicht endet mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Bangigkeit, die die Fragilität des menschlichen Glücks unterstreicht.

Schlüsselwörter

arm brust mund vollathmend heiß munde herz hohem

Wortwolke

Wortwolke zu Dein Mund...

Stilmittel

Alliteration
wonnemüden Nächte
Hyperbel
Leicht zuckt ihr Blitzstrahl nieder auf ein Leben
Metapher
Das allzu voll von Seligkeit
Personifikation
Die Götter solche Himmelslust