Dein Lied erklang

Clemens Brentano

1794

Dein Lied erklang, ich habe es gehöret, Wie durch die Rosen es zum Monde zog; Den Schmetterling, der bunt im Frühling flog, Hast du zur frommen Biene dir bekehret, Zur Rose ist mein Drang, Seit mir dein Lied erklang!

Dein Lied erklang, die Nacht hat′s hingetragen, Ach, meiner Ruhe süßes Schwanenlied! Dem Mond, der lauschend von dem Himmel sieht, Den Sternen und den Rosen muß ich′s klagen, Wohin sie sich nun schwang, Der dieses Lied erklang!

Dein Lied erklang, es war kein Ton vergebens, Der ganze Frühling, der von Liebe haucht, Hat, als du sangest, nieder sich getaucht Im sehnsuchtsvollen Strome meines Lebens, Im Sonnenuntergang, Als mir dein Lied erklang!

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Illustration zu Dein Lied erklang

Interpretation

Das Gedicht "Dein Lied erklang" von Clemens Brentano handelt von der tiefen Wirkung, die ein Lied auf den lyrischen Ich ausübt. Das Lied wird als eine transformative Kraft dargestellt, die das Alltägliche in etwas Heiliges verwandelt. Der Schmetterling, ein Symbol für Leichtigkeit und Vergänglichkeit, wird zur "frommen Biene" bekehrt, was auf eine Wandlung hin zu Beständigkeit und Fleiß hindeutet. Die Rose, oft ein Symbol der Liebe und Schönheit, wird zum Objekt des "Drangs" des lyrischen Ichs, seit es das Lied gehört hat. Dies deutet auf eine intensive emotionale Reaktion hin, die das Lied hervorruft. Die Nacht, die das Lied "hingetragen" hat, fungiert als Trägerin der Botschaft und verstärkt die mystische und fast überirdische Qualität des Erlebnisses. Das Lied wird als "süßes Schwanenlied" bezeichnet, was auf etwas Schönes und zugleich Abschiedliches hindeutet. Das lyrische Ich fühlt sich verpflichtet, den Himmelskörpern und der Rose von der tiefen Wirkung des Liedes zu erzählen, was die universelle Bedeutung des Erlebnisses unterstreicht. Die Frage "Wohin sie sich nun schwang, Der dieses Lied erklang!" lässt eine Sehnsucht nach dem Ursprung des Liedes erkennen und verleiht dem Gedicht eine rätselhafte Note. Im letzten Abschnitt wird betont, dass kein Ton des Liedes vergeblich war. Der Frühling, der "von Liebe haucht", taucht sich in den "sehnsuchtsvollen Strom des Lebens" des lyrischen Ichs, was eine Verschmelzung von äußerer Natur und innerem Erleben suggeriert. Der "Sonnenuntergang" als zeitlicher Rahmen unterstreicht die Vergänglichkeit des Moments, während gleichzeitig die Intensität des Erlebens betont wird. Das Lied hat somit eine tiefgreifende Veränderung im Leben des lyrischen Ichs bewirkt, die sowohl freudig als auch von Sehnsucht geprägt ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Dein Lied erklang
Metapher
der ganze Frühling, der von Liebe haucht
Personifikation
die Nacht hat's hingetragen