De profundis
1913Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt. Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht. Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist - Wie traurig dieser Abend.
Am Weiler vorbei Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein. Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
Bei ihrer Heimkehr Fanden die Hirten den süßen Leib Verwest im Dornenbusch.
Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. Gottes Schweigen Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
Auf meine Stirne tritt kaltes Metall. Spinnen suchen mein Herz. Es ist ein Licht, das meinen Mund erlöscht.
Nachts fand ich mich auf einer Heide, Starrend von Unrat und Staub der Sterne. Im Haselgebüsch Klangen wieder kristallne Engel.
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Interpretation
Das Gedicht "De profundis" von Georg Trakl ist ein tiefgründiges und melancholisches Werk, das sich mit den Themen Einsamkeit, Verzweiflung und der Suche nach Erlösung auseinandersetzt. Es beginnt mit einer düsteren und trostlosen Naturbeschreibung, die die Stimmung des Gedichts vorgibt. Die Bilder von Stoppelfeldern, schwarzem Regen und einsamen Bäumen schaffen eine Atmosphäre der Verlassenheit und Hoffnungslosigkeit. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Geschichte eines Waisenmädchens erzählt, das in der Dämmerung Ähren sammelt. Ihre Augen werden als "rund und goldig" beschrieben, was einen Kontrast zu der sonst so düsteren Stimmung bildet. Doch auch ihr Schicksal ist tragisch, da ihr Leichnam später in einem Dornenbusch gefunden wird. Dies symbolisiert die Unausweichlichkeit des Todes und die Vergänglichkeit des Lebens. Im dritten Teil des Gedichts wird die eigene Verzweiflung des lyrischen Ichs zum Ausdruck gebracht. Es beschreibt sich selbst als einen Schatten, der in finsteren Dörfern umherirrt und aus dem Schweigen Gottes trinkt. Die Bilder von kaltem Metall auf der Stirn, Spinnen im Herzen und erloschenem Licht im Mund verdeutlichen die innere Zerrissenheit und den Verlust der Hoffnung. Im letzten Teil des Gedichts findet sich das lyrische Ich auf einer Heide wieder, umgeben von Unrat und Staub der Sterne. Doch plötzlich erklingen wieder kristallene Engel im Haselgebüsch. Dies könnte als ein Hoffnungsschimmer oder als eine Vision der Erlösung interpretiert werden, die den Schmerz und die Verzweiflung des Gedichts durchbricht. Insgesamt ist "De profundis" ein tiefgründiges und bewegendes Werk, das die menschliche Existenz in ihrer dunkelsten Form darstellt und gleichzeitig nach einem Ausweg aus dem Leid sucht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zischelwind, der leere Hütten umkreist
- Bildsprache
- Nachts fand ich mich auf einer Heide, Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
- Ironie
- Fanden die Hirten den süßen Leib Verwest im Dornenbusch.
- Kontrast
- Wie traurig dieser Abend.
- Metapher
- Es ist ein Licht, das meinen Mund erlöscht.
- Personifikation
- Spinnen suchen mein Herz.
- Symbolik
- Im Haselgebüsch Klingten wieder kristallne Engel.