De profundis clamavi
1909Zu dir, du Einzige, soll mein Ruf erschallen Aus tiefster Nacht, darin mein Herz versank. Hier ist die Luft wie Blei, die Erde krank, Und Fluch und Schauder durch das Dunkel wallen.
Sechs Monde schwebt die Sonne kalt und fahl, Sechs Monde sind von eisiger Nacht umsponnen, Es grünt kein Baum, kein Strauch, es rauscht kein Bronnen, Auf Erden ist kein Land so tot und kahl.
Und nichts auf dieser Erde weit und breit Gleicht jener kalten Sonne Grausamkeit, Dem Chaos dieser ungeheuren Nacht.
Das niedre Tier selbst meinen Neid entfacht, Dem dumpf in Schlaf gewälzt der Tag vergeht, Wenn langsam sich der Zeiten Spindel dreht.
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Interpretation
Das Gedicht "De profundis clamavi" von Charles-Pierre Baudelaire ist ein tiefgründiges und düsteres Werk, das die Verzweiflung und Isolation des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Der Titel, der sich aus dem Lateinischen übersetzt als "Aus der Tiefe rufe ich", deutet auf einen Hilferuf aus einer tiefen emotionalen oder spirituellen Krise hin. Die ersten Zeilen verdeutlichen die Hoffnungslosigkeit und die Last der Dunkelheit, in der sich das Herz des Sprechers befindet. Die Natur wird als krank und leblos beschrieben, was die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs widerspiegelt. Die zweite Strophe verstärkt die Atmosphäre der Verzweiflung, indem sie eine Welt beschreibt, die von Kälte und Tod geprägt ist. Die sechs Monde und die eisige Nacht symbolisieren eine endlose, qualvolle Zeit, in der keine Hoffnung auf Erneuerung oder Wärme besteht. Die Abwesenheit von Leben und Wachstum unterstreicht die totale Verödung, sowohl äußerlich als auch innerlich. Diese Bilder schaffen ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Verlusts jeglicher Verbindung zur Welt. In der letzten Strophe erreicht das Gedicht seinen Höhepunkt der Verzweiflung. Die Sonne, die normalerweise ein Symbol für Leben und Wärme ist, wird hier als grausam und kalt dargestellt. Das Chaos der Nacht übertrifft alles, was auf der Erde existiert. Der Neid auf das "niedre Tier", das in einem stumpfen Schlaf den Tag vergehen lässt, zeigt die tiefe Verzweiflung und das Gefühl der Ausgrenzung des lyrischen Ichs. Das Gedicht endet mit einem Bild der Zeit, die sich langsam dreht, was die Ewigkeit des Leidens und die Unfähigkeit, diesem zu entkommen, betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Es grünt kein Baum, kein Strauch, es rauscht kein Bronnen
- Hyperbel
- Sechs Monde sind von eisiger Nacht umsponnen
- Kontrast
- Das niedre Tier selbst meinen Neid entfacht
- Metapher
- Wenn langsam sich der Zeiten Spindel dreht
- Personifikation
- Sechs Monde schwebt die Sonne kalt und fahl
- Symbolik
- Sechs Monde schwebt die Sonne kalt und fahl
- Vergleich
- Und nichts auf dieser Erde weit und breit Gleicht jener kalten Sonne Grausamkeit