Dasselbe

Max von Schenkendorf

1840

Oft wenn im wunderbaren Schimmer Des Schlosses Trümmer vor mir stehn, Im Sonnenschein, glaub′ ich noch immer In seiner Jugend es zu sehn.

Mit seinen Mauern, seinen Zinnen Fern leuchtend in das freie Thal, Der Helden starke Kraft darinnen Sich labend bei dem Rittermahl.

Dann klingt′s um mich wie ferne Stimmen, Ich fühl′ ein geisterhaftes Wehn, Fort treibt es mich, hinan zu klimmen Einsam auf jene Felsenhöh′n.

Doch oben alles ganz zerfallen, Der Epheu schlingt sich um den Stein, Und in den offnen Fürstenhallen Spielt Waldesgrün mit Sonnenschein.

Das nehm′ ich an zum guten Zeichen, Zum Trost in dieser Gegenwart, Daß auf den Trümmern, auf den Leichen Sich Himmel noch und Erde paart.

Ein beßres Haus soll sich erheben, Gebaut auf altem festem Grund, Und frische Liebe, frisches Leben Gedeihn im freien deutschen Bund!

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Illustration zu Dasselbe

Interpretation

Das Gedicht "Dasselbe" von Max von Schenkendorf ist ein nachdenkliches Werk, das sich mit der Vergänglichkeit und der Hoffnung auf Erneuerung beschäftigt. Der Sprecher beschreibt, wie er oft von den Ruinen eines Schlosses fasziniert ist und sich in seiner Vorstellungskraft in die Vergangenheit versetzt, als das Schloss noch in seiner Blütezeit war. Er sieht die starken Mauern und Zinnen, die in das Tal leuchteten, und die Helden, die sich bei Rittermählern stärkten. Diese nostalgische Betrachtung wird durch das Gefühl von fernen Stimmen und einem geisterhaften Wind verstärkt, der den Sprecher dazu treibt, die Felsenhöhen zu erklimmen. Oben angekommen, wird der Sprecher jedoch mit der Realität der Zerstörung konfrontiert. Die einst stolzen Mauern sind zerfallen, und die Natur hat sich ihren Platz zurückerobert. Efeu windet sich um die Steine, und Waldgrün spielt mit dem Sonnenschein in den offenen Fürstenhallen. Trotz dieser Verwüstung findet der Sprecher Trost in der Tatsache, dass Himmel und Erde immer noch in Harmonie sind, selbst auf den Trümmern und den Leichen der Vergangenheit. Dies wird als ein gutes Zeichen und als Trost in der gegenwärtigen Zeit interpretiert. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft durchzieht das Gedicht. Der Sprecher imaginiert ein neues, besseres Haus, das auf den festen Grundlagen der Vergangenheit errichtet wird. In diesem neuen Haus sollen frische Liebe und frisches Leben im freien deutschen Bund gedeihen. Dies deutet auf eine optimistische Vision für die Zukunft hin, in der die Lehren und Stärken der Vergangenheit genutzt werden, um eine bessere Gesellschaft zu schaffen.

Schlüsselwörter

sonnenschein oft wunderbaren schimmer schlosses trümmer stehn glaub

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Stilmittel

Alliteration
Sich labend bei dem Rittermahl
Metapher
Und frische Liebe, frisches Leben / Gedeihn im freien deutschen Bund
Personifikation
Der Epheu schlingt sich um den Stein