Das zerbrochene Ringlein

Joseph von Eichendorff

1813

In einem kühlen Grunde Da geht ein Mühlenrad, Meine Liebste ist verschwunden, Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen, Gab mir ein′n Ring dabei, Sie hat die Treu gebrochen, Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, Und singen meine Weisen, Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht als Reiter fliegen Wohl in die blutge Schlacht, Um stille Feuer liegen Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen: Ich weiß nicht, was ich will - Ich möcht am liebsten sterben, Da wärs auf einmal still!

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Illustration zu Das zerbrochene Ringlein

Interpretation

Das Gedicht "Das zerbrochene Ringlein" von Joseph von Eichendorff handelt von der tiefen Trauer und Verzweiflung eines lyrischen Ichs, das von seiner Geliebten verlassen wurde. Das Gedicht beginnt mit einer melancholischen Szene an einem kühlen Grunde, wo ein Mühlenrad sich dreht. Dieses Bild symbolisiert die unaufhaltsame Zeit und die vergeblichen Bemühungen des lyrischen Ichs, seine Liebe zurückzugewinnen. Die Geliebte ist verschwunden und hat ihr Versprechen der Treue gebrochen, was durch das zerbrochene Ringlein symbolisiert wird. Die zweite Strophe verdeutlicht die tiefe Enttäuschung und den Schmerz des lyrischen Ichs über den Treuebruch der Geliebten. Das Ringlein, ein Zeichen der Liebe und Verbundenheit, ist entzwei gesprungen und steht für die zerbrochene Beziehung. Das lyrische Ich fühlt sich verlassen und allein gelassen, was zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Verlusts führt. In den folgenden Strophen entwickelt das lyrische Ich verschiedene Fluchtgedanken, um dem Schmerz zu entkommen. Es sehnt sich danach, als Spielmann durch die Welt zu reisen und seine Weisen zu singen, oder als Reiter in die Schlacht zu ziehen und bei Feuer im Feld zu liegen. Diese Bilder stehen für die Sehnsucht nach Abenteuer, Ablenkung und einem neuen Lebenssinn. Doch letztendlich bleibt das lyrische Ich in seiner Trauer gefangen und wünscht sich sogar den Tod herbei, um dem Schmerz ein Ende zu setzen. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass das Mühlenrad immer weiterläuft und das lyrische Ich nicht weiß, was es will. Es bleibt in seiner Verzweiflung gefangen und sehnt sich nach dem stillen Tod als Erlösung.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Ich möcht als Spielmann reisen / Ich möcht als Reiter fliegen
Enjambement
Sie hat die Treu gebrochen, / Mein Ringlein sprang entzwei
Hyperbel
Weit in die Welt hinaus
Kontrast
Um stille Feuer liegen / Im Feld bei dunkler Nacht
Metapher
Das zerbrochene Ringlein als Symbol für die zerbrochene Liebe
Personifikation
Mein Ringlein sprang entzwei
Wiederholung
Ich möcht als Spielmann reisen / Ich möcht als Reiter fliegen