Das Zeichen
1891Und wie wir uns ersehen, Tief eins ins andre gehen, Es bleibt doch nicht bestehen: So wenig wie ein Kuß.
Es bleibt um Brust und Wangen Nichts von so viel Verlangen, Kein Zeichen bleibet hangen Auch von so vielem Glück.
Und trügest du ein Zeichen, Ein purpurrotes Zeichen, Es müßte auch verbleichen, Es ginge auch dahin!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Zeichen" von Hugo von Hofmannsthal thematisiert die Vergänglichkeit menschlicher Begegnungen und Emotionen. Es beschreibt, wie tief zwei Menschen auch in einander gehen mögen, wie intensiv ihre Verbindung auch sein mag – am Ende bleibt nichts Beständiges zurück, nicht einmal ein Zeichen. Der Vergleich mit einem Kuss verdeutlicht, dass selbst die intimsten Momente vergänglich sind und keine bleibende Spur hinterlassen. Das zweite Strophenpaar erweitert diese Betrachtung auf das Verlangen und das Glück, das zwischen zwei Menschen geteilt wird. Auch diese starken Gefühle hinterlassen keine sichtbaren Spuren an Körper oder Seele. Die Abwesenheit eines "Zeichens" symbolisiert die Unfähigkeit, tiefe emotionale Erfahrungen in der äußeren Welt zu verankern. Die Leere, die nach solchen Begegnungen zurückbleibt, wird als schmerzliche Erkenntnis dargestellt. Im letzten Strophenpaar führt Hofmannsthal eine hypothetische Situation ein: Selbst wenn ein sichtbares Zeichen, wie ein purpurrotes Mal, existieren würde, wäre es vergänglich. Es würde verblassen und vergehen, genau wie die Emotionen selbst. Dies unterstreicht die zentrale Botschaft des Gedichts: Alles, was wir erleben und fühlen, ist vergänglich und hinterlässt letztlich keine bleibende Spur in der Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- verbleichen, / Es ginge auch dahin
- Hyperbel
- von so viel Verlangen
- Kontrast
- Und wie wir uns ersehen, / Tief eins ins andere gehen
- Metapher
- So wenig wie ein Kuß
- Parallelismus
- Es bleibt um Brust und Wangen / Nichts von so viel Verlangen
- Symbol
- Ein purpurrotes Zeichen
- Wiederholung
- Es bleibt doch nicht bestehen: / So wenig wie ein Kuß