Das Zauberschloß

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Ich weiß ein Schloß, das hoch auf Klippen ragt; Von Adlern ist sein Zinnendach umflogen Und wirft den Morgenglanz, lang, eh es tagt, Schon weithin auf die blauen Meereswogen; Im Traum hab′ ich, o meines Herzens Braut, Uns beiden diesen Wonnesitz erbaut.

Dort in den Gärten schweifen wir umher Und sehen von den hängenden Terrassen Zu Füßen uns den Himmel und das Meer In Liebesschauern bald, gleich uns, erblassen, Bald so wie wir, wenn Mund am Munde ruht, Hoch aufglühn in des Abends Purpurglut.

Und o! die sonn′gen Halden an der Kluft, Die Grotten, die zu sel′gem Schlummer laden, Indessen meerhauchfeuchter Myrtenduft Emporwallt von den hallenden Gestaden, Und durch die Brandung, die am Felsen dröhnt, Das Wonnestammeln unsrer Herzen tönt.

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Illustration zu Das Zauberschloß

Interpretation

Das Gedicht "Das Zauberschloß" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt ein romantisches Traumschloss, das auf hohen Klippen über dem Meer thront. Der Dichter malt ein idyllisches Bild von diesem Schloss, das von Adlern umflogen wird und schon vor Sonnenaufgang den Morgenlichtschein auf die blauen Meereswellen wirft. Dieses Schloss ist ein Symbol für die Sehnsucht nach einer perfekten, harmonischen Welt, in der der Dichter und seine Geliebte gemeinsam leben können. In den Gärten des Schlosses schweifen die Liebenden umher und genießen die atemberaubende Aussicht auf Himmel und Meer von den hängenden Terrassen. Die Natur spiegelt ihre innige Liebe wider, indem sie in Liebesschauern erblassen oder in der Abendglut aufglühen. Die Beschreibung der Natur und der Umgebung unterstreicht die tiefe Verbundenheit der Liebenden und ihre Einheit mit der Umwelt. Das Gedicht endet mit einer Ode an die sonnigen Halden, die Grotten und den duftenden Myrtenduft, der von den Gestaden aufsteigt. Die Brandung, die am Felsen dröhnt, wird zum Klang der Herzen der Liebenden, die in ihrem Wonnestammeln vereint sind. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Ruhe, des Glücks und der tiefen Verbundenheit zwischen den Liebenden und ihrer Umgebung, in der sie sich geborgen und vollkommen fühlen.

Schlüsselwörter

hoch bald weiß schloß klippen ragt adlern zinnendach

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Indessen meerhauchfeuchter Myrtenduft
Hyperbel
Im Traum hab′ ich, o meines Herzens Braut, Uns beiden diesen Wonnesitz erbaut
Metapher
Von Adlern ist sein Zinnendach umflogen
Personifikation
Schon weithin auf die blauen Meereswogen
Vergleich
Bald so wie wir, wenn Mund am Munde ruht