Das Zauberlied
Wohin du gehst, du wirst mir nie entgehen,
denn meiner Sehnsucht feine Witterung
wird schneller, als du glaubst, den kühlen Sprung
in das verführerische Land verstehen,
in dessen ewig glatten Schattenseen
du dich vor mir geborgen wähntest – jung
und mittagheiß wird die Erinnerung
an deine Liebe brausend dich umwehen
und wenn du aufwachst, siehst du mich, der dich
mit blanken Armen an das Ufer zieht
und dir mit einem Kuß, dem wehen Stich
der glühen Lanze gleich, das Zauberlied
einhaucht: uns schwanden längst schon Raum und Zeit
was flüchtest du dich in die Ewigkeit?
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Das Zauberlied“ von Gustav Sack ist ein leidenschaftliches Liebesgedicht, das die unentrinnbare Natur der Liebe und Sehnsucht thematisiert. Es drückt die allumfassende Präsenz der geliebten Person im Leben des Sprechers aus, die selbst in der Ferne und im Verborgenen nicht entkommen kann. Das Gedicht ist geprägt von einer tiefen Verbundenheit und dem Gefühl, dass die Liebe über Raum und Zeit hinaus Bestand hat.
Der erste Teil des Gedichts beschreibt die unaufhaltsame Verfolgung der geliebten Person durch die Sehnsucht des Sprechers. Die Metaphern „feine Witterung“ und „kühlen Sprung“ deuten auf eine instinktive und unaufhaltsame Suche hin. Die geliebte Person versucht, sich in einem „verführerischen Land“ und in „ewig glatten Schattenseen“ zu verstecken, doch die Sehnsucht findet sie immer wieder. Die Worte „jung“ und „mittagheiß“ evozieren eine vergangene, aber immer noch lebendige und intensive Liebe, die in Erinnerung bleibt und die geliebte Person „brausend umweht“.
Im zweiten Teil des Gedichts wird die konkrete Rückkehr der geliebten Person zum Sprecher beschrieben. Der Sprecher zieht die geliebte Person an das Ufer, was als Metapher für eine Wiedervereinigung und die Auflösung der Trennung verstanden werden kann. Der „Kuß, dem wehen Stich der glühen Lanze gleich“, ist eine kraftvolle Metapher für die Intensität der Liebe, die sowohl schmerzhaft als auch berauschend sein kann. Das „Zauberlied“ repräsentiert die Macht der Liebe, die Raum und Zeit überwindet.
Die rhetorische Frage „was flüchtest du dich in die Ewigkeit?“ am Ende des Gedichts deutet auf ein Verständnis des Sprechers für die Vergänglichkeit der irdischen Welt hin, der Ewigkeit der Liebe gegenübergestellt. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass die Liebe, trotz aller Fluchtversuche, die Macht hat, die geliebte Person zu vereinen. Die Sprache ist bildhaft und intensiv, die Metaphern erzeugen eine starke emotionale Wirkung und unterstreichen die unbändige Kraft der Sehnsucht und der Liebe.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.