Das Wort
1883Lebendgem Worte bin ich gut: Das springt heran so wohlgemut, das grüßt mit artigem Geschick, hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben, kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben und ringelt sich und flattert jetzt und was es tut, das Wort ergötzt. Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen, bald krank und aber bald genesen. Willst ihm sein kleines Leben lassen, mußt du es leicht und zierlich fassen, nicht plump betasten und bedrücken, es stirbt oft schon an bösen Blicken - und liegt dann da, so ungestalt, so seelenlos, so arm und kalt, sein kleiner Leichnam arg verwandelt, von Tod und Sterben mißgehandelt. Ein totes Wort - ein häßlich Ding, ein klapperdürres Kling-Kling-Kling. Pfui allen häßlichen Gewerben, an denen Wort und Wörter sterben.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Wort" von Friedrich Nietzsche beschreibt die Lebendigkeit und Zerbrechlichkeit von Worten. Es vergleicht sie mit lebendigen Wesen, die voller Energie und Ausdruckskraft sind. Die Worte werden als freudig und lebendig dargestellt, die in der Lage sind, selbst die Tauben zu erreichen und zu erfreuen. Sie sind zart und empfindlich, und ihre Existenz hängt davon ab, wie sie behandelt werden. Das Gedicht warnt davor, Worte zu grob oder plump zu behandeln, da sie dadurch sterben können. Es betont die Bedeutung einer sorgfältigen und respektvollen Verwendung von Worten. Wenn Worte missbraucht oder missachtet werden, verlieren sie ihre Lebendigkeit und werden zu leblosen, hässlichen Dingen. Das Gedicht fordert dazu auf, alle Praktiken zu verurteilen, die zum Tod von Worten führen. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Idee, dass Worte eine lebendige und empfindliche Natur haben. Sie verdienen es, mit Sorgfalt und Respekt behandelt zu werden, um ihre Lebendigkeit und Ausdruckskraft zu bewahren. Es ermutigt den Leser, die Macht der Worte zu erkennen und sie mit Bedacht einzusetzen, um ihre Schönheit und Bedeutung zu erhalten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Das grüßt mit artigem Geschick
- Metapher
- Pfui allen häßlichen Gewerben
- Onomatopoesie
- ein klapperdürres Kling-Kling-Kling
- Personifikation
- Lebendgem Worte bin ich gut