Das Weib des Räubers

Joseph Christian von Zedlitz

1859

Die Sonne geht nieder so blutig roth Als wäre mein Liebster gefangen und todt; Sie sind hinunter, den Felsensteg, Sie lauern im Thal, sie lauschen am Weg.

Sie liegen in Graben und Hecken versteckt, Hinter Klippen und alte Mauern gestreckt; Und die Schlucht ist besetzt und die Straß’ ist umstellt Und einer dort Wacht auf der Höhe hält.

O, schlafe mein Kindlein, schlaf’ ruhig fort, In der Grotte kühl, an der Quelle dort, Ich will Dir singen ein Liedlein fein Von der Elfen nächtlichen Ringelreihn! –

»Ihr Elfen webet« – Ha, horch! ein Schuß! – Das war der rüst’gen Gesellen Gruß! Und wen er getroffen, den traf er gut, Der aufgehoben und sicher ruht! –

»Ihr Elfen webet den Schleier lind –« Horch, wieder! – und Blitz auf Blitz geschwind! Im Thale wölkt sich der Pulverdampf; Warum ist heute so heiß der Kampf?

»Ihr Elfen webet den Schleier lind; Den Schleier für mein herzliebes Kind! –« Das war seine Büchs’, ich kenn’ ihren Knall, Keine andere dröhnt so donnernden Hall!

Und Schuß auf Schuß – Ha! Reisende nicht, Das sind die Häscher vom Blutgericht! Das gilt nicht Beute, nein, wagend jetzt Wird Leben um Leben zum Kampf gesetzt.

Weh mir, – wie wird mir die Stirne so kalt! Die Schüsse des Liebsten sie sind verhallt: – Ich hör’ ihn nicht mehr – seine Büchse schweigt! O, wie mir das Blut so zum Herzen steigt! –

Mir wanken die Knie! o weh, mein Kind! O, fort von hinnen, geschwind, geschwind! – Die Sonne geht nieder so blutig roth, Als läg’ mein Liebster erschlagen und todt! –

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Illustration zu Das Weib des Räubers

Interpretation

Das Gedicht "Das Weib des Räubers" von Joseph Christian von Zedlitz schildert die bedrückende Atmosphäre eines nächtlichen Überfalls durch eine Räuberbande. Die Erzählerin, die Ehefrau eines Räubers, befindet sich in einer emotionalen Zwickmühle, da sie einerseits ihre Liebe zu ihrem Mann empfindet, aber andererseits auch die Gefahr erkennt, in der er sich befindet. Die Handlung des Gedichts spielt in einem Tal, das von der Räuberbande als Versteck genutzt wird. Die Erzählerin versucht, ihr Kind zu beruhigen und ihm ein Wiegenlied zu singen, während sie selbst von Angst und Sorge erfüllt ist. Die Atmosphäre wird durch die Beschreibung der Umgebung verstärkt, die von Dunkelheit und Bedrohung geprägt ist. Im Verlauf des Gedichts nimmt die Spannung zu, als die Räuber von Häschern verfolgt werden. Die Erzählerin hört die Schüsse und erkennt die Stimme ihres Mannes, aber sie kann nicht sicher sein, ob er überlebt hat. Die Angst um sein Leben wird durch die wiederkehrende Beschreibung der untergehenden Sonne verstärkt, die als Symbol für den möglichen Tod ihres Mannes dient.

Schlüsselwörter

elfen webet schuß schleier geschwind sonne geht nieder

Wortwolke

Wortwolke zu Das Weib des Räubers

Stilmittel

Alliteration
Sie liegen in Graben und Hecken versteckt
Anspielung
Das war der rüst'gen Gesellen Gruß!
Bildsprache
Hinter Klippen und alte Mauern gestreckt
Hyperbel
Keine andere dröhnt so donnernden Hall!
Ironie
Von der Elfen nächtlichen Ringelreihn! – »Ihr Elfen webet« – Ha, horch! ein Schuß!
Kontrast
O, schlafe mein Kindlein, schlaf' ruhig fort, In der Grotte kühl, an der Quelle dort
Metapher
Die Sonne geht nieder so blutig roth
Onomatopoesie
Ich kenn' ihren Knall
Pathos
Weh mir, – wie wird mir die Stirne so kalt!
Personifikation
Sie lauern im Thal, sie lauschen am Weg
Symbolik
Das gilt nicht Beute, nein, wagend jetzt Wird Leben um Leben zum Kampf gesetzt
Vergleich
Als läg' mein Liebster erschlagen und todt
Wiederholung
Ihr Elfen webet den Schleier lind