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Das Weib

Von

Du Mann, sieh diese Ros am Bach,
Wie lächelnd sie sich bückt,
Die nächste Welle küsset sie,
Sie küßt sie und verschwindt,
Und weil die zweite Welle noch
Froh nach dem Kusse hüpft,
So hebt die dritte schmachtend schon,
Ihr silbern Haubt empor.

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Gedicht: Das Weib von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Weib“ von Salomon Gessner ist eine kurze, bildreiche Betrachtung über die Natur der Weiblichkeit und die Flüchtigkeit von Schönheit und Erfüllung. Es präsentiert ein stilles Naturidyll, das durch die Metapher der Rose am Bach eine tiefere Bedeutungsebene erschließt.

Im Zentrum des Gedichts steht die Rose, die sich anmutig über den Bach beugt. Ihre Bewegung wird als „lächelnd“ beschrieben, was der Szene eine sanfte, fast menschliche Qualität verleiht. Die Welle, die die Rose küsst und sie dann verschwinden lässt, symbolisiert die Vergänglichkeit und die unvermeidliche Zerstörung, die der Schönheit innewohnt. Dieser Kuss ist nicht nur eine Berührung, sondern auch ein Moment der Vereinigung, gefolgt von der Auflösung, die im Kreislauf der Natur vorgegeben ist.

Die Wiederholung der Welle, die nach dem Kuss „froh nachhüpft“, deutet auf einen unaufhaltsamen Fluss der Zeit und des Geschehens hin. Die Rose, die sich anfangs voller Leben zeigt, wird durch die nächste Welle bereits in ihrem Wesen verändert, bis die dritte Welle „schmachtend“ ihr „silbern Haupt emporhebt“. Dieser Übergang unterstreicht die Vergänglichkeit, die Schönheit ist wie ein Wassertropfen der im Fluss der Zeit sich verliert. Die dritte Welle ist wie der letzte Blick auf die Rose, das sie nicht mehr in ihrer vollen Pracht zeigt.

Die Sprache des Gedichts ist schlicht und dennoch eindrücklich. Die Verwendung einfacher Worte und klarer Bilder ermöglicht eine unmittelbare emotionale Reaktion. Die Metaphern, wie die Rose und die Wellen, sind subtil und kraftvoll zugleich und laden den Leser ein, über die Bedeutung von Schönheit, Vergänglichkeit und dem Wesen der Weiblichkeit nachzudenken. Gessner erzeugt hier ein kurzes, aber intensives Gefühl der Melancholie und des Bewusstseins für die Unvermeidlichkeit des Verlustes.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.